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Der Morgen · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · p. 252

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Article
Juden bei Paul Claudel
Date
1929-08-01
Page
252 (sequence 3)
Language
German
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Julius Bah eignis, das mein ganzes Leben beherrscht. In einem Augenblick war mein Herz berührt und ich glaubte, ich glaubte mit einer solchen Kraft des Angezogenwerdens, mit einer solchen Aufwallung meines ganzen Wesens, mit einer so mächtigen Überzeugung, mit einer solchen Sicherheit, die keinem irgendwie gearteten Zweifel Raum ließ, daß seitdem alle Bücher, alle Überlegungen, alle Zufälle eines bewegten Lebens meinen Glauben nicht haben erschüttern, ja nicht einmal wirklich haben berühren können." Er hat einen konkreten Glauben, eine Gottesvorstellung, die sich durchaus nicht als Sinnbild eines allgemeinen Weltgefühls auflösen läßt: „Gott existiert, er ist da, er ist jemand. Er ist ein so persönliches Wesen wie ich." Und er wehrt ausdrücklich jede Verwechslung ab, wenn er in seiner großen Ode „Magnificat" verkündet: „Sei gebenedeit, mein Gott, der Du mich von den Götzen befreit hast und machst, daß ich nur Dich allein anbete, und nicht Isis und Osixis, oder die Gerechtigkeit, oder den Fortschritt, oder die Wahrheit, oder die Gottheit, oder die Menschheit, oder die Naturgesetze, oder die Kunst, oder die Schönheit; und der Du allen diesen Dingen dazusein erlaubt hast, die nichts sind; oder die nur die Leere sind, die Deine Anwesenheit zurückgelassen hat." So geht für Claudel keineswegs das Göttliche aus den Menschen hervor. Gott existiert, und der Mensch ist seine Folgerung: „Nichts ist für den Menschen gemacht, sondern der Mensch ist für das gemacht, was ihn gemacht hat." Aus dieser Orthodoxie folgt nun sehr klar das, was man Glaudels statische Weltanschauung (im Unterschied zu der in der ganzen Moderne herrschenden dynamischen) genannt hat: Die Welt ist nicht in Entwicklung, in Bewegung auf ein Ziel zu. Sie ist vom höchsten Prinzip in eine feste Ordnung gesetzt und alles kommt darauf an, diese Ordnung zu erkennen und festzuhalten. „Jeder Baum hat seinen Charakter, jedes Tierchen seine Rolle, jede Stimme ihren Platz in der Symphonie . . . Vom größten Engel, der Dich sieht, bis zum Kiesel der Straße, und von einem Ende Deiner Schöpfung bis zum anderen hört der Zusammenhang nicht auf, ebensowenig wie zwischen Seele und Leib. So setzt das Wasser den Geist fort und trägt ihn und ernährt ihn, und zwischen allen Kreaturen bis zu Dir ist wie ein flüssiges Band." Diese Ordnung ist in der Welt der Dinge und im Organischen für Claudel nicht anders gegeben wie im Sozialen. Daraus folgt u. a., daß erRoyalist ist. Denn nur der wahre König ist der organische Mittelpunkt eines sozialen Körpers für ihn. „Wie der einzelne Körper die Nahrung zwischen seinen Kiefern zermalmt und sie aufnimmt in die Lagerräume und tiefen Werkstätten des Magens, der Leber und der Därme, so nimmt der soziale Körper auf, so scheidet er aus und verdaut. Und was ist der König, das heilige Ding, das zwischen allen Menschen ist? Wenn nicht das in die Mitte der Organe gesetzte Herz." 252

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