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Der Morgen · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · p. 241

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Article
Aus Moses Mendelssohns Gesammelten Schriften
Date
1929-08-01
Page
241 (sequence 4)
Language
German
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Aus Moses Mendelssohns Gesammelten Schriften „Die Religion meiner Väter will nicht ausgebreitet sein. Wir sollen nicht Missionen nach beiden Indien oder nach Grönland senden, um diesen entfernten Völkern unsere Religion zu predigen---- Wer nach unserem Gesetz nicht geboren ist, darf auch nicht nach unserem Gesetz leben. Uns allein halten wir für verbunden, diese Gesetze zu beobachten, und dies kann unseren Nebenmenschen kein Ärgernis geben. Man findet unsere Meinungen ungereimt? Es ist unnötig, darüber Streit zu erregen. Wir handeln nach unserer Überzeugung, und andere mögen die Gültigkeit der Gesetze immer in Zweifel ziehen, die ihnen nach unserem eigenen Geständnis nicht obliegen. Ob jene billig, verträglich, menschenfreundlich bandeln, daß sie unsere Gesetze und Gebräuche so sehr verspotten, können wir ihrem eigenen Gewissen anheimstellen. Sobald wir andere von unserer Meinung nicht überführen wollen, so ist das Streiten unnütz." Schreiben an den Herrn Diakonus Lavater zu Zürich. „Ich werde es nicht leugnen, daß ich bei meiner Religion menschliche Zusätze und Mißbräuche wahrgenommen, die leider! ihren Glanz nur zu sehr verdunkeln. Welcher Freund der Wahrheit kann sich rühmen, seine Religion von schädlichen Menschensatzungen frei gefunden zu haben? Wir erkennen ihn alle, diesen vergiftenden Hauch der Heuchelei und des Aberglaubens, so viel unser sind, die wir die Wahrheit suchen, und wünschen ihn ohne Nachteil des Wahren und Guten abwischen zu können. Allein von dem Wesentlichen meiner Religion bin ich so fest, so unwiderleglich versichert, als Sie oder Herr Bonnet nur immer von der Ihrigen sein können, und ich bezeuge hiermit vor dem Gott der Wahrheit, Ihrem und meinem Erschöpfer und Erhalter,;.. daß ich bei meinen Grundsätzen bleiben werde, solange meine ganze Seele nicht eine andere Natur annimmt/' Schreiben an den Herrn Diakonus Lavater zu Zürich. „Ich habe das Glück, so manchen vortrefflichen Mann, der nicht meines Glaubens ist, zum Freunde zu haben. Wir lieben uns aufrichtig, ob wir gleich vermuten und voraussetzen, daß wir in Glaubenssachen ganz verschiedener Meinung sind. Ich genieße die Wollust ihres Umgangs, der mich bessert und ergötzt. Niemals hat mir mein Herz heimlich zugerufen: „Schade für die schöne Seele!" Wer da glaubt, daß außerhalb seiner Kirqhe keine Seligkeit zu finden sei, dem müssen dergleichen Seufzer gar oft in der Brust aufsteigen." Schreiben an den Herrn Diakonus Lavater zu Zürich. „Man begeht noch immerweg die Torheit, jede Scharteke wider die Religion mit großem Geschrei aufzunehmen und, sobald man die Macht dazu hat, von dem Scharfrichter verbrennen zu lassen — obgleich die Erfahrung gezeigt, daß dadurch der Fortgang der Delsterei mehr befördert als gehemmt wird. Mancher 17 24t

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