Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 3 (August 1929)
- Article
- Moses Mendelssohn und seine Zeitgenossen
- Date
- 1929-08-01
- Page
- 233 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
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Moses Mendelssohn und seine Zeitgenossen le juif savant de Berlin — das war offenbar eine Art geflügelten Wortes. Die Bezeichnung genügte, um zu wissen, von wem die Rede war: es war le sage fils de Mendel! „Seine Nation hat gewiß keinen aufzuweisen, der als Philosoph so aufgeklärt und zugleich als Schriftsteller so elegant wäre." Er ist „den Seinigen zum Original, zum Muster worden" und wird von ihnen „für einen Pfeiler und Grundveste, ja für ein Haupt in Israel gerühmt und verehrt". Damit hat es seine Richtigkeit. Etwa von 1770 an verehren die Juden Mendelssohn fast als einen zweiten Propheten Moses, und es kam damals das viel nachgesprochene, ursprünglich auf Moses Maimonides gemünzte Wort auf „Von Moses bis Moses war keiner wie Moses." Kein Zeitgenosse, glaubt Friedländer behaupten zu dürfen, stand auf und sprach öffentlich oder leise: ich bin besser. „Auch die Männer von entschiedenem Verdienst unter seinen Mitbrüdern, die unmittelbar nach ihm auftraten und den Pfad verfolgten, den er gebahnt, bekennen emstimmig und mit Freuden, daß alle Bildung des Geistes, alle wahre Aufklärung der Israeliten zum größten Teil ihm zu verdanken war. Er ward das Hauptwerkzeug des moralischen Erwachens der Israeliten aus dem tiefen Schlafe. Ein zweiter Moses, erlöste er sie aus einer der ägyptischen ähnlichen Sklaverei, führte sie in das Land des Lichts und der Freiheit und entnahm die Binde ihren Augen, die Fesseln ihren Händen". „Sein Ruhm glänzte hell in den Augen der Menschheit; sein ehrenvoller Ruf hat sich weit ausgebreitet: auch fremde Nationen erkannten seinen Wert und schätzten diesen deutschen Weisen" (Simon Höchheimer). Diese Ehrentafel glaubensgenössischer Hymnen ließe sich beliebig verlängern. Man lese die Äußerungen von Lazarus Bendavid, Salomon Maimon, ChofscM-Mindis, Moses Moser und Isaac Euchel. Die von Euchel mit Schülern Mendelssohns im Geiste seines Reformwerkes begründete Zeitschrift „Hammeassef" — „Der Sammler" — wurde ein Sammelbecken für all diese Opferspenden der Verehrung. Hier veröffentlichte Euchel seine an Lob und Preis so reiche Lebensgeschichte Mendelssohns, den er den Ersten und Einzigen in seinem Geschlechte nannte; hier schlugen Dichter die Leier zum Ruhme des zu früh Verblichenen; hier wurde in hundert Variationen das Bekenntnis abgelegt, daß man ihm die Erweckung, Bildung und Gesittung seines Volkes verdanke. Statt vieler hier nur ein paar Stimmen: Wer ist denn größer in unserer Generation als der göttliche Forscher und Thoragelehrte? ... Seinesgleichen gibt's nicht!.. Er ist ein heiliger Gottesmann. 233