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Der Morgen · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · p. 229

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Article
Moses Mendelssohn und seine Zeitgenossen
Date
1929-08-01
Page
229 (sequence 10)
Language
German
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Moses Mendelssohn und seine Zeitgenossen der Dichter Weiße schätzt es mehr als er sagen kann; für Wieland gehört Moses Mendelssohn zu den principibus viris, und ihm sind wenige Geister in Europa bekannt, deren Beifall für ihn soviel Reiz haben könnte, als Mendelssohns. Minister von Zedlitz unternähme auf Mendelssohns Bürgschaft „wohl wer weiß was". Mendelssohns Umgang und Freundschaft wird von vielen übereinstimmend als „Glückseligkeit" gepriesen. Weiße schätzte diese Freundschaft „höher als alles", und Elise Reimarus wollte einen Teil ihres Lebens „aufgeben, um den anderen zu den Füßen dieses Gamaliels zubringen zu können und aus seinem Munde und Geiste Wahrheit zu schöpfen". Ein so schön und groß veranlagter Mensch mußte durch sein Wort und Beispiel, durch die Kraft seines Altruismus zum Erwecker, zum Herzensbeichtiger und Seelenretter berufen sein! Nicht erst zu reden von den vielen Fällen, da er als guter Erzieher genannt wird (z. B. der beiden Humboldts), oder da er Mitlebende als Erster in die Weltweisheit einführte, — sie dankten ihm schon in zarter Jugend Kräftigung, Erhebung, Wegweisung fürs Leben. „Sie waren vielleicht der erste philosophische Schriftsteller, der rechten Eindruck bei mir machte, der mich erweckte und den ersten Samen von Gedanken bei mir ausstreute" (Garve). „Sie haben mich ermuntert und gehoben", ruft Johann Georg Zimmermann aus, „als ich noch jung war und als ich Sie noch nicht persönlich kannte. Das vergesse ich nie." Rührend sind die Worte herzlicher Verehrung, mit denen ein gewisser Moses Moser noch in späten Jahren seiner Dankbarkeit für die Befreiung aus seelisch-geistiger Ghettoknechtschaft Ausdruck gab. Aber das Merkwürdigste ist, daß Mendelssohn keineswegs nur auf seine Glaubensgenossen, sondern ebenso auf Christen einen heilsamen, bald mehr erziehlichen, bald aufklärenden, bald sänftigenden Einfluß auszuüben vermochte. So wandte sich ein stud. med. Paulus Best in Köln 1773 an Mendelssohn, um ihn in quälenden Gewissenfragen um Aufklärung und Beruhigung zu bitten. In noch ernstere Seelenkonflikte war der junge Benediktiner Maurus Winkopp aus dem Kloster auf dem Petersberge bei Erfurt geraten. Die Beschäftigung mit dem Weltweisen rief in ihm Zweifel gegen gewisse angenommene Wahrheiten des katholischen Lehrsystems hervor, die durch die Lektüre des „Phädon" geradezu marternd wurden. Auf fremden Rat entdeckte er sich 1780 in einem Briefe dem Berliner Philosophen, der ihr\ „ohne seine Schuld in dieses Labyrinth gestürzt hatte". Und nun entwickelte sich ein Briefwechsel, in dem er 229

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