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Der Morgen · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · p. 228

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Article
Moses Mendelssohn und seine Zeitgenossen
Date
1929-08-01
Page
228 (sequence 9)
Language
German
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Ludwig Goldstein Krieger, Geistliche; Männer und Frauen; Fremde und Einheimische; Christen und Naturalisten; Gelehrte und Geschäftsmänner." Der Umgang mit ihm muß sehr reizvoll gewesen sein. „In seiner Gegenwart war einem wohl — man fühlte sich schon durch seinen Anblick erhoben und ermuntert", sagt Moritz. „Die Seele schließt sich so willig in seiner Nähe auf", meint Sophie Becker. Die Stunden verstrichen in seiner Gesellschaft wie Minuten und blieben treu in der Erinnerung. „Die Stunden ihres Umgangs in Pyrmont", schreibt die Gräfin von Schaumburg-Lippe, „werden uns jederzeit die angenehmsten bleiben, die wir dort hatten." Das einzige Vergnügen seiner letzten Reise waren für J.A.Eberhard die paar Stunden, die er mit Mendelssohn genossen. August von Hennings findet „in seiner dürren Wüstenei einen Labetrunk" durch Mendelssohns gelegentliche Anwesenheit in Dresden. Selbst Hamann schreibt seinem Freunde Reichardt 1777, daß „die größte und vielleicht einzige Freude dieses Sommers gewesen ist, unsern lieben Philosophen Moses Mephiboseth hier in Preußen zu umarmen", und dasselbe teilt er fast mit denselben Worten noch ein paar Monate später Lavater mit. Alle seine Gespräche, ja man könnte sagen: jedes Wort von ihm war lehrreich und flößte eine Art Ehrfurcht ein. Nicolai sah alles, was ihm dunkel war, durch seinen Freund sogleioh erläutert, seine Zweifel sogleich behoben. Er ist, so oft sie auch beisammen gewesen sind, niemals von ihm gegangen, ohne ,,entweder besser oder gelehrter geworden zu sein". Mendelsohn genoß denn auch ein ganz seltenes Vertrauen und wurde von allen befragt. Dichter, Ärzte, Ästhetiker, Maler, Tonkünstler, Staatsmänner, Geistliche, Kaufleute, alle hörten gern seinen Rat und befanden sich wohl bei dessen Befolgung.. Gleich in deD ersten Zeiten ihres Verkehrs bittet der junge Lessing Moses, seine Entwürfe zu überdenken, zu prüfen und zu verbessern. „Ihre besseren Gedanken sind weiter nichts als meine zweiten Gedanken." „Ich sehe Ihren ferneren Einwürfen mit dem Vergnügen entgegen, mit welchem man der Belehrung entgegensehen muß." „Denken Sie nur nicht, daß ich eine einzige Fabel will drucken lassen, die nicht Ihren vollkommenen Beifall hat." Klopstock hat einige Einwände Mendelssohns gegen sein Trauerspiel „Der Tod Adams" in einer späteren Auflage berücksichtigt. Th. Abbt zog Mendelssohns Urteil jedem Lob in einem Zeitungsblatt vor; er ist der einzige Mensch, mit dem Abbt über die wichtigsten Dinge sprechen konnte und mochte. Der Sprachforscher Adelung gewinnt Zutrauen zu seinen eigenen Ideen, wenn Mendelssohn mit ihnen übereinstimmt. Dem Berliner Professor Seile ist sein Urteil ebenso wichtig; 228

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