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Der Morgen · 1929-08-01 · Heft 3 (August 1929) · p. 218

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 3 (August 1929)
Article
Moses Mendelssohn
Date
1929-08-01
Page
218 (sequence 6)
Language
German
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Albert Lewkowitz diesen Gesetzen zu gehorchen. Wohl haben die Gesetze, die mit Landeigentum in notwendiger Verbindung stehen, mit der Zerstörung des Staates ihre Geltung verloren. „Aber persönliche Gebote, Pflichten, die den Söhnen Israels ohne Rücksicht auf Tempeldienst und Landeigentum in Palästina auferlegt worden sind, müssen, soviel wir einsehen können, streng nach den Worten des Gesetzes beobachtet werden, bis es dem Allerhöchsten» gefallen wird, unser Gewissen zu beruhigen, und die Abstellung derselben laut und öffentlich bekannt zu machen." So wahrt Mendelssohn sein Recht und seine Pflicht, das Religionsgesetz als göttliches Sondergesetz des judischen Volkes zur Grundlage des Lebens zu machen, ohne dadurch in der Gotteserkenntnis und der Anschauung der sittlichen Pflichten andere als die universalen Lehren der Vernunftreligion anzuerkennen. Unterscheidet aber bloß das Zeremonialgesetz den Juden vom Nichtjuden, so ist der Jude berechtigt, als Bürger in den vollen Genuß der bürgerlicher). Rechte und Pflichten gesetzt zu werden. Denn der Staat hat allein die Handlungen der Bürger, nicht aber ihre Grundsätze und Gesinnungen zu bestimmen. „Wer die öffentliche Glückseligkeit nicht stört, wer gegen die bürgerlichen Gesetze, gegen euch und seine Mitbürger rechtschaffen handelt, den laßt sprechen wie er denkt, Gott anrufen nach seiner oder seiner Väter Weise, und sein ewiges Heil suchen, wo er es zu finden glaubt." Auch in dieser Forderung der Toleranz, der Trennung von Staat und Barche, aber steht Mendelssohn nicht allein, sondern in tiefster Uebereinstimfmung mit dem Geist der Aufklärung. Fühlt diese es doch als Grundlage ihres eigenen Bestandes, daß nicht der Staat der Herrschaft der Kirche unterstellt werde. In diesem gemeinsamen Befreiungsprozeß des Staates und der Wissenschaft von dem Druck der Kirche schließt sich das Bündnis der freien Wissenschaft mit dem freien Staat. Die religiös-politischen Kämpfe des 16. und 17. Jahrhunderts haben in Frankreich, England, Holland zur Forderung der Toleranz geführt. Emen folgt Deutschland. Lessing, Dohm, Mendelssohn sind die Vertreter und Vorkämpfer der Toleranz und ihrer Anwendung auf die Stellung der Juden im neuen Staat. Als Religionsgemeinschaft steht seit Mendelssohn das Judentum im Staat grundsätzlich den anderen Konfessionen gleich. Der Sieg der Aufklärung in der französischen Revolution, der Zusammenbruch des preußischen Staates bei Jena und Auerstädt und die Notwendigkeit, alle nationalen Kräfte zur Wiederaufrichtung Preußens zu vereinigen, führten zur Emanzipation, zur Anerkennung der staatsbürgerlichen 218

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