Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Article
- Oscar Levertin
- Date
- 1929-06-01
- Page
- 202 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Carl D. Marcus Stimmung hinreißen läßt, doch naive Wirkungen erzeugen, die in ihrer malerischen Bewegtheit ganz neuartig wirken. Es ist der Ton der Frömmigkeit, die er angesichts Lucrez' Epos empfand, aber schlichter. Und schon in den „Legenden und Weisen" finden wir ein so vollendetes Gedicht wie „Monika", voll unendlicher Sehnsucht seiner Seele nach Ruhe und Erlösung, voll rührender Ergriffenheit dem Leben gegenüber, die vielleicht das Schönste bei Levertin war. Man höre, wie der melodische Strom diese Strophen hebt und trägt: „Monika, Mutter, die Blätter, sie fallen, Scharf durch die Wiesen die Sense schallt, Und vor des Winters eisigem Wallen Fröstelt das Herz mir im welken Wald; Schwer ist mein Haupt, gern ruht' ich mich aus-— Weit ist der dunkelnde Weg nach Haus. Hoffnung und Glück, all irdisches Sehnen Hat sich zu Tode gelitten in mir; Heim nun will ich, an dich mich lehnen, Müd auf dem Schemel gesunken bei dir, Daß mir die Asche, vom Nachtwind bewegt, Ihren Rauch an die Wange schlügt. So will ich sitzen, während im Weben Still sich vollendet Einschlag und Band; Dunkel der Grund — es ist wie im Leben, Das deine Liebe als Einschlag durchwand; Herzblut der Mutter, so stark und rot, Einzige Wehr gegen Angst und Tod." In seiner zweiten Gedichtsammlung merkt man, wie sein Gefühl der Welt gegenüber unter dem Einfluß Nietzsches sich stärkt, immer bewußter und männlicher wird, so in dem Gedicht „Die weisen und die törichten Jungfrauen". Geben soll man und wieder geben; die Lampen zu Ende brennen lassen und nichts anderes. Und trotzdem wird man auch dann nie restlos befriedigt, denn eine Sehnsucht nach einem schöneren Reich blüht in uns allen, wie er dies besingt im Gedicht von der Insel Ithaka: „Als Fremdling träumt' ich am Barbarenstrand — Wie viel das Jahre sind? Nun will ich heim; schon stieß ich ab vom Land,. Ins Seidensegel schlägt der Wind! Voran in unbefahrne Wasser schnell! Am Säulentor vorüber Zur Insel fern im blauen Archipel Mein Schifflein schoß hinüber. Schon halb zuhause horch ich nun zerstreut Auf Lebens Lust und Harm, Als ob ein Fremder, wie's der. Zufall beut, Berührte meinen Arm, Noch seht ihr jetzt als Euresgleichen mich: Doch heut schon unverdrossen Im Rätselmut des Abschieds lächle ich — Die Rechnung ist geschlossen." Dieser Traum von einem goldenen Zeitalter, abseits der Heerstraße, ist echt romantisch; er findet sich auch als Leitmotiv in der klassischen Dichtung, und hat Schiller zu ähnlichen dichterischen Gedanken geführt. So etwa in dem Gedicht „Sehnsucht": „Einen Nachen seh* ich schwanken, Aber ach, der Fährmann fehlt. Frisch hinein und ohne Wanken! Seine Segel sind beseelt. Du mußt glauben, Du mußt wagen, Denn die Götter leih'n kein Pfand; Nur ein Wunder kann dich tragen In das schöne Wunderland." Zahlreich sind seine Liebesgedichte, zuweilen geprägt von einer roten Schwermut, die von dem Dichter selbst in einigen oft zitierten Zeilen ausgedrückt ward: „Schwarz ist mein Gedicht mit purpurroten Säumen". Er schildert mit Vorliebe, wie zwei Liebende sich abends im Zwielicht treffen, und von ihrem Fenster sehen, wie die Nacht über die Stadt steigt, wie die Laternen angezündet werden und Straßen, 202