Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Article
- Oscar Levertin
- Date
- 1929-06-01
- Page
- 201 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Oscar Levertin der umstrahlt oder abgestoßen von der schillernden Persönlichkeit des Königs, den Levertin bewunderte. In dieser Zeit war er eigentlich mehr heimisch, als in seiner eigenen; so gab er in verschiedenen Essays ein so bezauberndes Bild von dem größten poetischen Genie des ganzen Jahrhunderts, Carl Mikael Belman, daß es nie verblassen wird. Das Unmittelbare, Naive, Orgiastische an Belman und seiner Stockholmer Welt, voll von Trunkenbolden und Musikanten, die abwechselnd Amor und Bacchus huldigen, hat ihn gefesselt, ihn, der selbst so still und träumend in seinem geliebten Stockholm lebte. Was ihm außerdem an dieser Periode so gefiel, war das Ideal der Ritterlichkeit. Und wie er Belm an intuitiv dargestellt hat, so hat er einen Dichter und Kulturträger nach dem andern aus dem 18. Jahrhundert geschildert. Einer dieser Bände trägt den Titel: „Schwedische Gestalten", während ein anderer den bezeichnenden Titel „Dichter und Träumer" trägt. In ihm finden wir die Studie Levertins, die seine eigene Weltanschauung tiefer ausdrückt als irgendeine andere, einen Hymnus an Lucrez, der das Epos an die Natur schrieb. Bei Lucrez fand er ein durch Gesetze geregeltes Weltbild vor. Hier fand Levertin die tiefe Resignation wieder, die ihn selbst erfüllte, verbunden mit dem Gefühl der Andacht dem Leben und dem Weltall gegenüber. Neben zahlreichen Essays dieser Art hat Levertin sich selbstverständlich auch zu größeren Arbeiten gesammelt; er hat die Theatergeschichte der gustavianischcn Periode behandelt, hat sich eingehend mit der schwedischen Malerei des 18. Jahrhunderts und ihren Beziehungen zur französischen Kunst auseinandergesetzt. Als letztes nie vollendetes Werk sei eine Biographie über den großen schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linne genannt. Man versteht wohl aus diesen Andeutungen, wie viel er zur Belebung der schwedischen Vergangenheit beigetragen hat. Ohne Oskar Levertin wäre die nationale Renaissance der neunziger Jahre niemals so reich geworden. Seine lyrische Begabung, die viele seiner besten Essays zeigen, war so stark, daß sie ganz eigenartige lyrische Gebilde schuf, die bei Kennern stets als ein kostbares Gut gehütet werden. Es erschienen zuerst drei Gedichtbände, ferner „Legenden und Weisen", dann eine Folge „neue Gedichte" und zuletzt noch ein Gedichtzyklus „Salomo und Morolf". Levertin ist kein Erneuerer der Form wie Gustav Fröding und Verner von Heidenstam; sein rhythmisches Gefühl ist nicht immer stark. Seine Bilder können zuweilen unsicher sein, aber trotzdem hat er eine ganz persönliche Sprachmelodie, die schwermütig und schwerblütig klingt. Die Bilder aus seinen Essays kehren hier wieder, es ist, als ob sie geboren wären vor den schönen Antiquitäten seines Vaters. Er verkleidete sich gerne als Mönch, als Schreiber aus dem Mittelalter, er schreibt einige bezaubernde Strophen von dem Liebespaar Florez und Blanzeflor; er besingt Maria und Maria Magdalena, die klugen und die törichten Jungfrauen und eine ganze Anzahl jüdischer Gestalten wie Shylock und Ahasverus. Obgleich er durchaus nicht zu den naiven Lyrikern gehört, kann er, wenn er sich von einem alten Bilde oder einer heiligen Pfingst- 14 201