Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Article
- Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
- Date
- 1929-06-01
- Page
- 190 (sequence 18)
- Language
- German
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Ludwig Feuchtwanger auf jene drei Werke Kahles hingewiesen: „Masoreten des Ostens", 1913, das ist die Herausgabe und Untersuchung der ältesten babylonischen punktierten Handschriften des Alten Testaments und der Targume, dann die „Masoreten des Westens", 1927, die Edition und Erklärung von Handschriftenresten nach dem palästinischen Punktationssystem mit Nachweisversuchen über wichtige Abweichungen von dem Einheitstext, endlich die Lichtbilderzusammenstellung von 70 weiteren babylonischen Handschriftenfragmenten unter dem Titel „Die hebräischen Bibelhandschriften aus Babylonien" (1928). Daß ohne geschulte sprachwissenschaftliche Vorarbeiten ein Gesamtbild der politischen und kulturellen Geschichte Vorderasiens und die Eingliederung der Urkunden des Alten Testaments im Rahmen dieser Geschichte noch nicht möglich ist, zeigt mit aller Deutlichkeit der gegenwärtige Stand der Forschung. Diese Forschung ist über archäologische, philologische und historische Spezialprobleme noch kaum hinausgekommen. Beschreibung, Analyse und Deutung von einzelnen Denkmälern oder zusammengehörenden Urkunden oder Inschriften muß noch vorläufig Mittelpunkt der wissenschaftlichen Tätigkeit bleiben. So ist die sogenannte „Vorgeschichte Israels", also seine Geschichte vor der Einwanderung in Palästina, durch eine Reihe außerordentlicher Funde erleuchtet worden. Die Konfrontation mit dem Alten Testament knüpft immer noch hauptsächlich an eine Reihe schon älterer, sehr gut beschriebener Funde an, darunter an erster Stelle an das Gesetzbuch des Hammurapi aus dem Jahr 2000, das die ausführlichste Bearbeitung seit der Auffindung im Jahr 1902 nach allen Seiten gefunden hat. Diese Gesetzessäule, der große schwarze Steinblock im Louvre, bedeutet auch einen Markstein in der Wissenschaftsgeschichte, vor allem eine bleibende, von Grund aus veränderte Einsicht in die sogenannte mosaische Gesetzgebung. An die Entdeckung des Gesetzbuches von Hammurapi knüpft sich die schlechthin größte Umwälzung aller Begriffe über das Alte Testament seit Menschengedenken. Schon i5 Jahre vorher, 1887/88, fand man in Teil el-Amarna in Mittelägypten die Tontafeln mit der umfassenden politischen Korrespondenz der Pharaonen Amenophis III. und IV. mit ihren Vasallen, den palästinischen Stadtfürsten, in babylonischer Schrift und Sprache; diese Urkunden beleuchten die in der althellenischen „Geschlechterpolis" ähnlichen Verhältnisse um i4oo in Palästina aufs deutlichste. Hier begegnet man zum ersten Male dem Namen von Jerusalem — Ur-sa-li-im-mu — und seinem damaligen Stadtfürsten: Abdi-Hipa, der sich so aufgeregt gegen den Vorwurf des Abfalles von Ägypten t90