Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Article
- Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
- Date
- 1929-06-01
- Page
- 186 (sequence 14)
- Language
- German
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Ludwig Feuchtwanger in den Stoff zur Lebensaufgabe gemacht hat. Die Möglichkeit eines selbständigen Urteils für NichtSpezialisten ist nur deshalb nicht hoffnungslos, weil große europäische Gelehrte der beiden Fächer neben ihren Spezialarbeiten zuverlässige Grammatiken, Glossare, Chrestomathien, Übersetzungen und Darstellungen des Gesamtgebietes mit einem stets überprüfbaren kritischen Apparat in entsagungsvoller Weise verfaßt haben. Diese Arbeiten setzen den geschulten Kenner sprachwissenschaftlicher Methoden, der im Indogermanischen oder Semitischen zu Hause ist, recht gut in den Stand, in die Grundlagen des Ägyptischen und Akkadischen (mit diesem einheimischen Namen pflegt man jetzt die beiden Dialekte der semitischen Sprache der Keilschriftdenkmäler, das Assyrische und Babylonische, zu bezeichnen), namentlich auch in die Literaturen der verschiedenen Perioden dieser Kulturkreise einzudringen. Wer also Ermans Ägyptische Grammatik (nach dem neuesten Stand der wunderbaren vierten Auflage), die Setheschen Lesestücke, ferner Friedrich Delitzschs Assyrische Lesestücke und das Ungnadsche Elementarbuch über das x^ssyrisch-Babylonische mit den Keilschrift-Texten regelrecht erlernt hat, der ist mit all seinen klassischarabischen, althebräischen und aramäischen Kenntnissen und Erfahrungen, die allerdings unerläßlich sind, zwar noch kein Ägyptologe und kein Spezialist der Keilschriftforschung. Aber zu ihm sprechen jetzt die Text- und Bilderbücher, die einer Vergleichung der Kultur Israels mit den anderen Kulturen des vorderen Orients dienen, eine ganz andere Spräche als zu demjenigen, der die Urkunden — aus dem Boden ihrer eigenen Sprache in die modernen westeuropäischen Sprachen verpflanzt — unkritisch hinnehmen muß. Aus der Fülle dieser Art wissenschaftlich sehr wertvoller Ausgaben von Texten und Bildern seien hier im Vorbeigehen genannt: Die altorientalischen Texte und Bilder zum Alten Testament, die Hugo Großmann, der vor kurzem verstorbene Vertreter des Alten Testaments an der Berliner Universität, mit Unterstützung hervorragender Sachkenner des Ägyptischen, Babylonisch-Assyrischen und Südsemitischen herausgegeben hat, ferner die Neubearbeitung des großen Ermanschen Ägypten-Werkes durch Hermann Ranke, Yahudas ausdrücklich auch für Nichtägyptologen geschriebene Untersuchungen über die Sprache des Pentateuch in ihren Beziehungen zum Ägyptischen, Bruno Meißners bewundernswertes Wagnis, jetzt schon eine vollständige und geschlossene Kulturgeschichte von Assyrien und Bahylonien zu geben, das Textbuch zur Pieligionsgeschichtc von Eduard Lehmann-Lund und Hans Haas, in welchem Hermann Grapow, Benno Landsberger und Heinrich Zimmern die ägyptischen, babylonisch-assyrischen und 186