Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Article
- Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament
- Date
- 1929-06-01
- Page
- 185 (sequence 13)
- Language
- German
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Grundsätzliches zur Forschung über das Alte Testament Für die wissenschaftliche Erkenntnis gibt es auch hier nur einen einzigen Weg, den Weg, den die Analyse jedes Literaturdenkmals vorschreibt. Jede andere Betrachtung scheidet hier aus und könnte nur selbst wieder Gegenstand kritischer Beobachtung sein. Wir treiben hier also einen bewußten, rein rationalen Methodenmonismus. Die theologische Frage, ob die Erkenntnis selbst Vermessenheit, also eine Sünde ist, die Einwendungen, daß die Geisteswissenschaften doch an den zufälligen geistigen Gehalt und an die geistige Gestalt unserer fragwürdigen Gegenwart gebunden seien, ferner, „daß alles geisteswissenschaftliche Verstehen von der geistigen Weite und Reife der Forscherpersönlichkeit abhänge'', endlich, „daß alles Verstehen unbewußt oder bewußt aus einer weltanschaulichen Grundhaltung herauskomme und nur vermöge dieser Herkunft Basis für die letzten Wertsetzungen werden könne" — lauter geläufige und von Spranger in dem schon zitierten Akademievortrag über den Sinn der Voraussetzungslosigkeit in den Geisteswissenschaften unübertrefflich behandelte Betrachtungen, können jenen Anspruch nicht erschüttern. IL Aus dem Problemkreis »Die altorientalische Umwelt der Bibel". Wir deuten zuerst aus dem viel erörterten Problemkreis „Die altorientalische Umwelt der Bibel" einige Fragestellungen an. Vom bibelzentrischen Standpunkt gingen diese Fragen im ig. Jahrhundert aus; heute ist audh für die Erkenntnis der Urkunden des Alten Testaments am meisten dann zu erwarten, wenn die ägyptische und vorderasiatische Altertumskunde in strengster Selbstbeschränkung ihre eigenen Wege geht und sich Aufgaben und Methoden nur aus der ihr eigentümlichen Begriffs- und Stoffwelt heraus vorschreiben läßt. Lotungen der Volksseele, des religiösen spezifischen Gewichts, dann Prioritätsfragen, Urteile über kulturelle Höhenlagen, „Bestätigungen" werden besser auf den Kanzeln der Synagogen und Kirchen zelebriert. Das Studium der Urkunden, die unmittelbar von der babylonisch-assyrischen und ägyptischen Geschichte, Religion und Kultur zeugen, ist heute zur eigenen getrennten Aufgabe der beiden großen Fachgebiete der Ägyptologie und. Keilschriftforschung geworden. Lesung, Überblick und Kontrolle fremder Forschungsergebnisse ist nur demjenigen mehr möglich, der — auf dem Hintergrund einer umfassenden Fachbildung und Methodenbeherrschung in der semitischen Sprachwissenschaft und antiken Geschichte — sich das Eindringen 13 t$5