Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Article
- Das römische Weltreich als überrassische Schöpfung
- Date
- 1929-06-01
- Page
- 168 (sequence 10)
- Language
- German
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- Cicero 1× ep/1024888
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Hennann Funke vermag sein staatliches Leben in seinem Werden zu überschauen und die großen Tendenzen zu verstehen, deren Kampf und schließlicher Ausgleich ihm Gestalt gegeben hatte. Gerade die Beobachtung seiner Geschichte gibt einem Volk die Gewißheit, daß es auf einem festen Fundament steht, daß die gegenwärtige Generation nur ein längst begonnenes Streben fortsetzt. Was ein Volk sonst nur dumpf und zaghaft als sein Wesen und als seine Aufgabe empfinden würde, macht sie zur klaren gebieterischen Forderung. Fabius Pictor schrieb sein Geschichtswerk noch griechisch. Daß man sich einer anderen Sprache bedienen könne als der der griechischen Meister wollte ihm noch unmöglich erscheinen. Den nächsten Schritt über ihn hinaus, nämlich römische GescMdhte auch in der Sprache Roms zu schreiben, tat Cato in seinem „Origines": Was niemanden so sehr anging wie sie selbst, das verlangte das römische Bewußtsein auch bald, in keiner anderen als in der eigenen Sprache niedergeschrieben zu sehen. Aber das Lateinische war die Sprache eines Bauernvolks, wohl fähig, den handfesten Begriffen des täglichen Lebens gerecht zu werden, doch viel zu arm und grobmaschig, um die subtileren Gedanken einzusaugen, zu denen unter dem Eindruck des griechischen Geistes die neue, tiefere und vielfältigere Art, die Dinge zu sehen, anregte. Auch hier mußte aus Griechenland der Lehrmeister kommen, und die Bemühung von Generationen schenkte den Römern eine Sprache, die an Geschmeidigkeit und Reichtum sich neben die griechische stellen konnte, geschult wohl an ihr, aber doch echt römischen Geist atmend. Ein Lukrez und ein Cicero brachten die lateinische Sprache dahin, daß sie imstande war, die abstrakten Gedanken der griechischen Philosophie wiederzugeben; ja, Epikurs Lehre vom Werden und Vergehen des Weltalls fand ihre schönste Gestaltung nicht in griechischer, sondern in lateinischer Sprache, bei dem Römer Lukrez. Denn auf keinem Gebiet geistigen Lebens fielen Griechenlands Lehren auf so fruchtbaren Boden wie in der römischen Dichtung. Besonders für sie gilt, daß sie sich nicht dem Fremden unterwarf, sondern es gleichsam dem eigenen Volkstum eroberte: Den Übersetzungen und Nachahmungen griechischer Vorbilder folgten wirkliche Dichtungen, in denen, wenn auch in griechischen Formen und mit griechischen Kunstmitteln, echt römisches Wesen seine Gestaltung fand: Vergil schuf im Banne von Homers Erzählerkunst, und indem er Motive aus dem homerischen Sagenkreis weiter- X6S