Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · p. 162

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Article
Das römische Weltreich als überrassische Schöpfung
Date
1929-06-01
Page
162 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2895450-2895483-2895486-2899737--03566-2899824
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Hermann Funke fügung über Leib und Leben der Bürger gegeben; ihrer umfassenden Befehlsgewalt, dem „Imperium", sind keine Schranken gesetzt. Denn das ist ein bleibendes Geschenk, das die Römer von den Etruskern empfingen: Sie .erhielten lebendiges Gemeinschaftsgefühl und staatliche Disziplin; der einzelne lernte, seine Person und seine Wünsche ganz den großen Interessen des Gemeinwesens unterzuordnen. Jetzt erst bildete sich in Rom die Sirenge des Amtsrechtes aus: Jeder Bürger, dem ein staatliches Amt übertragen worden ist, bleibt während dieser seiner Amtszeit ehrfurchtgebietend und unantastbar für alle, jeder Befehl, der von ihm ausgeht, ist unverbrüchlich. Aber ist seine Amtszeit abgelaufen, wird aus dem Herrn wieder ein Bürger unter Bürgern, so muß er ebenso unumschränkt gehorchen, wie er bisher unumschränkt befehlen durfte. Und solange er im Amt ist, herrscht er nicht um seiner selbst und seiner eigenen Macht willen, sondern er bleibt ein Diener des Gemeinwesens, — dem für seine Dienste ein klingender Lohn nie zuteil wird. Die anderen italischen Stamme kannten nicht die straffe staatliche Organisation der Etrusker, ihre Staatsverbände waren im Vergleich zu den etruskischen nur locker gefügt. Die rassische Geschichtsdeutung lehrt, daß nur in Zeiten klarer Rassenschichtung der einzelne von naturhaftem, starkem Gemeinschaftsgefühl durchdrungen sei (vgL Günther, a. a. O., S. 293). Die römische Geschichte legt Zeugnis davon ab, wie gerade durch Rassen misch un g eine Art geistiger Synthese entsteht, in der ein Volk nur um so stärker zu einer Gemeinschaf fc einheitlichen Strebens zusammengeschweißt, sein Staatswesen nur um so fester gefügt werden kann. Dem römischen Volkstum brachte das Aufgeben der „Rassenreinheit" gerade das Gegenteil von „Selbstsucht aller gegen alle" imd von „Zersetzung". Und in diesem starken Staatsgefühl, dem ausgeprägten Sinn für politische Notwendigkeiten, der den Römern als etruskisches Erbgut überkam, gepaart mit dem kriegslustigen Eroberergeist, der sicherlich ein Vermächtnis nordischen Bluts war — in dieser glücklichen Synthese zweier rassefremder Elemente hegt das Geheimnis der römischen Größe zum guten Teil beschlossen. Und noch ein drittes kam hinzu: Die römische Religiosität, die in ihrer eigentümlichen Ausprägung das ganze Leben der Gemeinschaft durchdrang. Auch sie ist stark von etruskischem Geist befruchtet Die römische Religion war Staatsreligion. Vor jeder bedeutsamen Handlung 162

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.