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Der Morgen · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · p. 161

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Article
Das römische Weltreich als überrassische Schöpfung
Date
1929-06-01
Page
161 (sequence 3)
Language
German
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Das römische Weltreich als überrassische Schöpfung Etruskern stellt die Schicksalsstunde Roms dar; denn unermeßlich ist es, was diese Angehörigen einer unnordischen, also im Sinne der völkischen Rassenlehre doch minderwertigen Rasse für Roms Zukunft bedeuten sollten. Erst die Etrusker beseitigten das elementarste Hindernis, das dem Anwachsen Roms entgegenstand: Sie waren es, die in den Talsenkungen Abzugskanäle anlegten und sie auf diese Weise entwässerten und urbar machten: Auf einem Sumpf hätte die zukünftige Hauptstadt der Welt nicht erstehen können. Aber Sumpfgebiet in fruchtbares und bewohnbares Land zu verwandeln — darauf verstand sich in diesen Zeiten niemand in Italien, als allein die Etrusker; ohne ihre Hilfe wäre es den Latinern vielleicht auch nach Jahrhunderten noch nicht gelungen. Die Etrusker wurden Roms Ingenieure und Baumeister. Etruskischer Baustil wurde in der Hügelstadt herrschend; wir wissen von Deichen, die diese Einwanderer bauten, und schon um 5oo v. Chr. legten sie in Rom Wasserleitungen an, durch sie erhielt die Stadt ihre Kanalisation. Auch das römische Kriegswesen mag von etruskischer Baukunst befruchtet worden sein. Der sichere Blick für bauliche Möglichkeiten, mit dem die Römer auf ihren Feldzügen in kürzester Zeit eine verschanzte Stellung aufwarfen, unter Ausnutzung aller besonderen Möglichkeiten des ganz individuell gearteten Geländes — auch diese Fähigkeit der Römer, die Natur und die Materie in ihren Dienst zu zwingen, ist sicherlich ein Erbteil des etruskischen Bluts, das in ihnen fließt, und zugleich eine von den Waffen, die Roms Siege erkämpfen halfen. Aber der Einfluß der Etrusker drang noch weit tiefer in das römische Wesen ein: Alle Institutionen des Staats, und noch mehr, das ganze staatliche Bewußtsein der Römer wurde von ihnen entscheidend umgestaltet. Viele Äußerlichkeiten legen davon schon Zeugnis ab: Die Abzeichen der obersten Beamten in Rom, Purpurtoga und Elfenbeinstab, sowie der kostbare Amtsstuhl, die „sella curulis", finden sich schon lange Zeit vorher in den Etruskerstadten, und dasselbe gilt von den Amtsdienern, den Liktoren, die den obersten Staatsbeamten bei seinem öffentlichen Auftreten begleiten und Beile und Rutenbündel vor ihm hertragen. In diesen Äußerlichkeiten prägt sich aber zugleich der neue Geist aus, den die Etrusker nach Rom brachten, Purpurtoga, Elfenbeinstab und „sella curulis" zeugen von der Ehrfurcht, die den Männern entgegengebracht wurde, in denen die Majestät des Staates sich repräsentiert, und die Liktoren mit ihren Rutenbündeln und Beilen sind Zeichen einer ganz ungewöhnlich starken Staatsgewalt. In ihre Hand ist die freie Ver- \6\

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