Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Article
- Das römische Weltreich als überrassische Schöpfung
- Date
- 1929-06-01
- Page
- 160 (sequence 2)
- Language
- German
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Hermann Funke weg tiefer und tiefer in politische Ohnmacht und kulturelle Dürftigkeit hinabführte. Wie wirkte es sich nun aus, daß in der römischen Geschichte gerade die entgegengesetzte Tendenz zur Herrschaft kam, daß das römische Volk schon früh ein Mischprodukt aus rassefremden Elementen darstellte, stets bereit, sich von fremden Geist befruchten zu lassen? Hat die rassische Geschichtsdeutung recht, wenn sie das Urteil spricht, daß in dieser Blutsmischung der tiefste Grund für den späteren Verfall der römischen Weltmacht liege, oder war es vielleicht gerade im Gegenteil die Sprengung aller Stammes- und Rassenbindungen, diese Aufnahmefähigkeit für alles fruchtbare Fremde, die Roms Größe begründen half? Vielleicht wird sich zeigen, daß ein historischer Betrachter, dessen Blick ganz an dem Schicksal der Einzelrasse haftet, die wesentlichsten Triebkräfte, auf deren Wirken Blüte und Verfall der großen Mächte beruht, gar nicht zu erfassen vermag. Doch fragen wir die Historie selbst. Nur sie vermag die Antwort zu geben. Das älteste Rom1) war eine Siedlung des nordischen Latinerstammes auf dem palatinischen Berge, klein, dürftig und unbedeutend, wie sie sicherlich zu hunderten im damaligen Italien bestand. Sie umfaßte überhaupt nur den kleinsten Teil des späteren Stadtgebiets: Auf den Anhöhen, die den „Möns Palatinos" umgaben, dem späteren „Quirinalis" und dem „Viminalis", fanden sich höchstens verstreute bäuerliche Wohnstätten, und die Niederungen zwischen den sieben Hügeln vollends waren gänzlich unbewohnt; sie bildeten in dieser Zeit noch unzugängliches Sumpfgebiet Damals, als die künftige Weltbeherrscherui noch eine Bauernsiedlung war, durch kein Merkmal sich von anderen unterscheidend, die auch nach Jahrtausenden nichts mehr waren als eben ein solches Bauerndorf — damals herrschte in Rom noch Einheit des Stammes und der Rasse. Aber bevor die ersten Anzeichen einer Weiterentwicklung sichtbar werden, mußten erst Fremde sich zu den Latinern auf dem palatinischen Berg gesellen, Menschen fremden Stammes und fremder Rasse: Denn ein „vorwiegend westrassisches Volk mit ziemlich starkem Einschlag vorderasiatischer Rasse" 2), den nordischen Latinern also Stammes- und rassefremd, waren die Etrusker, die um 700 v. Chr. Rom zu besiedeln beginnen. Dieser Beginn einer Vermischung von Latinern und a) Diese älteste, die sogen, „lazialische Periode", wird von 1000—700 v. Chr. gerechnet. 2) Günther, a.a.O., S. 278. 160