Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Article
- Katholizismus und Völkerfriede
- Date
- 1929-06-01
- Page
- 136 (sequence 7)
- Language
- German
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Theodor Steinbüchel gesellschaft der Gegenwart als ihr Heilenwollen im Kriege. Die „Tapferkeit"' dieser dem Krieg entgegenwirkenden Liebe ist eine zähere als die Tapferkeit des Kriegers, den der Gas- und Maschinenkrieg des kapitalistischen Zeitalters nur als ein Stück der großen Geschäfts- und Kampfmaschine des Krieges einfügt. Die religiöse Wirklichkeitsbetrachtimg des Katholizismus begnügt sich nicht damit, den Krieg als Übel zu erklären. Sie leitet ihn, wie jedes Übel, auf eine letzte solidarische Menschenschuld zurück, auf die „Erbschuld" des „gefallenen Geschlechtes". Rational ist hier nichts zu „erklären", und philosophischer Reflektion bleibt das Verhältnis von göttlicher Schöpferfreiheit und menschlich freier Entscheidung für das Widergöttliche ein Geheimnis. Auch die katholische Scholastik weiß bei all ihrem Bemühen um ein rationales Durchdringen des Credo um das Mysterium dieses Credo. Nur wer sie als Denken auf dem Grunde religiösen Offenbarungsglaubens versteht, in dem die fides nach dem intellectus verlangt, aber nie von diesem abgelöst werden kann, hat ihren philosophischen Sinn begriffen. Eine Auflösung des Unbegreiflichen in Begriffenes ist Auflösung des Glaubens, der nicht Wissen ist. Selbst Thomas von Aquino weiß in seiner so oft als „Intellektualismus" mißverstandenen Glaubensanalyse um das Nichtrationale im Glaubensakt Gewiß ist dieser ein „Für-wahr - halten", aber ein solches nicht auf Grund rationaler Evidenz in rational erfaßbare Sinnverhalte, sondern auf Grund eines „imperium voluntatis", wobei der sich entscheidende personale Wille selbst von dem überrationalen der „Gnade" durch Gott bestimmt wird, so daß Glaube zuletzt gottgewirkte Zustimmung („assensus") und nicht rein human-natürlicher Akt des Erkennens und Wollens ist. So entspricht es auch neutestamentlicher Auffassung. Hellenischer „Weisheit" ist das Kreuz „Torheit". Aber „die Torheit Gottes ist weiser als die Menschen" (i. Kor. i, 22 f., 2 5). Die Wahrheit des Glaubens geht den „Einfältigen" auf, die an dem, was ihrer Erwartung nicht entspricht kein „Ärgernis" nehmen (Mt. 11, 6, 2 5). Gott und das Göttliche bleibt unbegreiflich, und die philosophische Ausflucht der bloßen „Zulassung" des Übels wie der Sünde durch Gott lüftet nicht den Schleier des Undurchsichtigen, denn Gott bleibt in „unzugänglichem Lichte" für das „Stückwerk" des Menschendenkens (1. Tim. 6, 16; 1. Kor. i3, 9). Ein „Erkennen" der Glaubenswahrheiten gibt es nur auf dem Grunde des von Gott geschenkten Glaubens selbst. Der hier erwähnte Zusammenhang von Sünde und Krieg ist dem religiösen Geschichtspragmatismus eigentümlich. Das Alte Testament betont ihn in früher t36