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Der Morgen · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · p. 135

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Article
Katholizismus und Völkerfriede
Date
1929-06-01
Page
135 (sequence 6)
Language
German
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Katholizismus und Völkerfriede im abendländischen Kulturkreis immer mehr ein solches auch von Christen wurde, die bloße Macht befürworten. Daß Macht und Gewalt in der wirklichen Welt herrschen, daß kein Staat ohne Macht sein und daß Macht gegen Macht sich stellen kann, gehört zur Tragik einer Weltwirklichkeit, die nicht von der Liebe allein sich gestalten läßt, weil die Tragik der Sunde mit zu ihrer Wirklichkeit gehört. Die Gewalt im Verhältnis der Völker durch ein auf Achtung und Gemeinschaft fundiertes Recht zu überwinden, ist stete Aufgabe. Und so wenig man aus der Erfahrung der letzten Jahrzehnte heraus von einer „Verchristlichung" der Völker sprechen kann, so sehr bleibt an ihr zu arbeiten, nicht zuletzt durch die christliche Kirche, wenn auch angesichts der Wirklichkeit der Glaube an eine Erreichung oder auch nur an eine Annäherung an dieses Ziel ein credere contra spem in spem (Rom. 4, 18) sein mag. Der Glaube ist erst Glaube, wenn er nicht sieht So bleibt der Krieg, selbst wenn er ein „gerechter" ist, ein Übel. Ihn als gerechten zu erweisen, ist in den heutigen verwickelten wirtschaftlichen imd machtpolitischen Zusammenhängen der Staaten unmöglich, zumal Staat und Macht heute inniger vereint sind als je, und der heutige Staat immer mehr der Machtexponent der wirtschaftlichen Interessengesellschaft geworden und immer weniger organisch gewachsene Volksgemeinschaft ist. Dem entspricht die Art der Kriegsführung mit allen Machtmitteln" der Technik, der Chemie und der Blockade, eine Kriegsführung, für die menschliche Intelligenz und Energie das Grausamste ersinnt und durchführt, was in den Dienst der Vernichtung von Leben und Werten gestellt werden kann. Von persönlichem „Mutethos" ist in dem rationalisierten und mechanisierten Maschinenkriege wenig mehr zu finden, vom „Degenethos" ritterlicher Tapferkeit noch weniger. Die Entscheidung lag schon im letzten großen Kriege nicht so sehr beim Mute der Kämpfenden, so achtenswert er bei vielen gewesen ist, als bei der mächtigsten Geld-, Maschinen- und Kriegswirtschaft. Man hat das „Heldische" der christlichen Moral nicht nur in der Abwehr ihrer Mißdeutung als Ressentiment und Sklavenmoral stark herausgestellt, man hat die heldische und die Gemeinschaft weckende Kriegsmoral geradezu als „Vorstufe zur religiösen Liebesmoral" (Scheler) gefeiert. Aber christliche Liebe kann ihren Opfergeist auf anderen Gebieten betätigen als auf dem der Heilung von Kriegsnot und -wunden, so wenig sie im Kriege selbst hierauf verzichten will. Das Bemühen um Verhinderung des Krieges ist eine ursprünglichere Aufgabe christlicher Bruderliebe und ein ursprünglicherer Samariterdienst an der entzweiten Menschen- 135

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