Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Article
- Katholizismus und Völkerfriede
- Date
- 1929-06-01
- Page
- 133 (sequence 4)
- Language
- German
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Katholizismus und Völkerfriede Schlacht und vom siegenden Messiashelden. Den „Frieden", den Jesus bringt, meint er nicht als politischen Zustand im Rechtsverhältnis des Volkes und der Völker, sondern als die innere Gott-Geborgenheit der Jünger in allen Nöten und Schrecken, die sich ergibt aus der Gemeinschaft mit Jesus und durch ihn mit dem Vater sowie im Hinblick auf Jesu mutvolles Lebensvorbild in seiner eigenen Bedrängnis (Joh. i4, 27ff.; 16, 33). Das paulinische Urchristentum, heute allseits als rein religiöse Lebensform anerkannt, weiß vom „Frieden" nur als dem alles Begreifen übersteigenden Gottesfrieden, der aus der Christusverbundenheit stammt, der Christus selbst ist, weü er die Trennung von Juden und Heiden aufhob in ihrer Vereinigung zu dem „einen Leibe", zu dem als zur Brudergemeinschaft mit und unter Christus alle berufen sind ohne die trennenden Unterschiede des Volkes, der Bildung und der sozialen Stellung. Der mystische Christusleib ist das Band und der Quellgrund urchristlich-paulinischen „Friedens", des Reiches Gottes als „Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist". Eis ist ein Reich „nicht aus dieser Welt", dessen Glieder daher auch nicht „kämpften", als der König dieses Reiches gefangen wurde (Joh. 18, 36). Es ist ein Friede, nicht wie die „Welt" ihn gibt. Dieses religiöse Ideal friedvoller Gemeinschaft der Bruderliebe aber ist zu leben mitten in der Härte der Wirklichkeit — das ist christliche Forderung. Und es ist zu leben im ganzen Leben des Christen. Denn der Jünger Jesu ist nicht aus der Welt weggenommen, er wird in ihre Not und ihren Zwiespalt mit seiner Botschaft solchen Friedens hineingesandt (Joh. 17, i5ff.). In dieser realen Welt aber steht der Staat als Wirklichkeit mit seiner Macht und Gewalt. Auch die Macht des Staates, mit ihm notwendig gegeben, ist nach Paulus von Gott und daher verpflichtend für den Christen, wenn sie für ihn auch nicht das Höchste ist, denn sein Staatswesen ist im Himmel (Phil. 3, 20), und er selbst ist „Soldat Christi Jesu", der in rechter Kampf weise um den Kampfpreis ringt (2. Tim. 2, 3 ff.). Im römischen Heer blieb der Christ trotz der Abmahnung vom Heeresdienst durch bestimmte Kirchenväter. Die Unterscheidung des „gerechten" vom „ungerechten" Krieg hat der katholischen Ethik über die absolute Ablehnung des Krieges hinweggeholfen. Die Rezeption des Naturrechtsgedankens leistete ihr diesen Dienst. Der Krieg kann Sünde sein, er ist es nicht immer — so entscheidet Thomas von Aquino in Anlehnung an Augustin und in Auseinandersetzung mit dem Neuen Testament, über sein Recht und Unrecht befindet nicht der Einzelne, sondern die Staatsautorität, und sie hat den Krieg in rechter Absicht zur Erreichung eines wirklichen Gutes 133