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Der Morgen · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · p. 132

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Article
Katholizismus und Völkerfriede
Date
1929-06-01
Page
132 (sequence 3)
Language
German
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Theodor Steinbüchel Schicksals, verbietet ihm ein Aktivismus der Verantwortlichkeit vor dorn Gott, der ihn in eine geschichtliche Wirklichkeit hineingestellt hat, zu deren Miigestaitung er von dem Gott der Geschichte befähigt und darum auch vor ihm verpflichtet ist. Denn Gottes Gaben sind sinnvolle Wirklichkeiten- Des Menschen personaler Wille ist darum ein geschichtlich wirklicher und wirksamer Faktor. Das Wirkliche ist von Gott Gewirktes und zu Gottes Plänen Wirkendes. Geschichtliche Wirklichkeit ist der Krieg wie der Friede, beide unterstehen der absoluten Wirklichkeit und Wirksamkeit Gottes. Auch das Widergöttliche, im personalen Leben die „Sünde", untersteht zuletzt Gott, und die Wirksamkeit dieses Widergöttlich-Dämonischen ist keine absolut-unbegrenzte. Sein Dasein und Wirksamsein in Gottes Schöpfung, ist noch unbegreiflicher als das Wirkliche, sofern dieses einen verwirklichten Schöpfergedanken Gottes darstellt. Menschliches Denken über Gottes Welt sieht sich hier dem „mysterium miquitatis" gegenübergestellt, das aus sich zu lösen es nicht fähig, und über dessen Ursprung und Sinn innerhalb einer gottgegründeten und daher irgendwie sinnvoll begründeten Welt weder eine rationale Philosophie noch irgendeine Gnosis idealistischer, religiöser, theo- oder anthroposophischer Art aufklärt, sondern nur die das Denken „gefangen nehmende" Offenbarung Gottes, deren Bejahung nicht der menschlichen Einsicht, sondern der menschlichen personalen Entscheidung überlassen ist Eines aber ist katholischem Denken einsichtig: der Krieg als Übel und der Friede als positiv-inhaltliches Ziel einer Menschengemeinschaft in verstehender Liebe und gemeinschaftlichem Dienen. Dieses Ziel ist also mehr als das rein negative Friedensideal des Nicht-Krieges. Solche Einsicht fließt dem Katholiken vorab aus dem Neuen Testamente, dessen Inhalt für sein Welt- und Geschichtsbild mitbestimmend ist, weil sich in ihm Gottes Offenbarung vollendet. Ein politisches Ideal leitet er aus dem Evangelium ebensowenig ab wie ein soziales. Jesu Botschaft liegt auf anderer Ebene als auf der des profan Politischen und Sozialen. Aber was Jesus im Menschen weckt an Gott- und Bruderverbundenheit, soll wirksam werden im Ganzen des Lebens, auch in der politischen und sozialen Lebensformung. Religion als Gottgemeinschaft der Kinder Gottes, die Brüder untereinander sind, will ihre Formkraft betätigen an der Welt und in sie hinein. Das kann sie für Jesus nicht ohne Kampf und ohne Entzweiung bis in die intimsten Lebenskreise, und auch der Krieg gehört mit zu den Wirklichkeiten und Schrecknissen vor der Wiederkehr des Herrn, ja die neutestamentliche Apokalypse weiß von der schrecklichen Messias- 132

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