Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Article
- Deutscher Protestantismus und Völkerfriede
- Date
- 1929-06-01
- Page
- 125 (sequence 18)
- Language
- German
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Heinrich Frick Geist vorgestellte Kriegsmann war militari sch aktiv, politisch, passiv; wir sind heute militärisch zur Passivität verurteilt, politisch aber zur Mitverantwortung aufgerufen. Niemand kann das ändern. Niemand wird gefragt, ob ihn) dieser Wechsel gefällt oder nicht, wir haben die Tatsache einfach anzuerkennen. Angesichts dieser Lage gibt es keine Neutralität mehr. Aach Schweigen bedeutet Parteinahme; denn es stärkt den zufällig vorherrschenden Kurs. Die Kirchen und jeder einzelne Christ sind also verpflichtet, ob sie wollen oder nicht, im gegebenen Augenblick Ja oder Nein zu sagen. Nach all dem läßt sich heute die Stellung des deutschen Protestantismus zum Krieg der Zukunft in drei Richtungen festlegen. i. Er ist — wie jede christliche Konfession — wesentlich an der Aufrechterhaltung des Friedens um seiner eigenen Mission willen interessiert. Die vielverzweigte christliche Arbeit und ebenso sehr die Pflege des persönlichen Glaubenslebens lassen einen Krieg als innere und äußere Katastrophe erscheinen. Wo so viel seelische Energie, Menschenkraft, Geld, Hab und Gut aller Art benötigt wird, um dem tausendfältigen Elend in der Menschheit zu steuern, kann man nicht einfach dulden oder gar rechtfertigen, daß ein Krieg das alles verschlinge. Von den äußerlichsten Dingen, wie den Gebäuden, angefangen bis hin zu den unfaßbaren innerlichsten Geheimnissen des Glaubenslebens gibt es keine Stelle im evangelischen Denken, wo nicht gegen den Krieg anzukämpfen wäre. Es ist auf der ganzen Front kirchlich, religiös und sittlich nur der eine Wunsch am Platz, daß Gott uns vor dem Krieg bewahre. Mit Absicht stelle ich diese ganz nüchterne Überlegung voran. Sie wird viel zu häufig vergessen, selbst von berufenen Vertretern der Kirchen. Der Krieg der Zukunft wird keine Rücksichten mehr kennen, sondern jede öffentliche Macht zu seinem Werkzeug machen wollen. Nur ein Träumer kann meinen, daß die großen Werke der inneren und der äußeren Mission, der Anstalten und Vereine, daß Seelsorge, Gemeindepflege und Kindererziehung über einen solchen Krieg hinaus unversehrt gerettet werden könnten. Da es sich heute nicht mehr um das Duell zweier Nationen, sondern vor allem auch um ungeheure wirtschaftliche Katastrophen handelt, so lassen sich die Folgen eines neuen Weltbrandes überhaupt nicht mehr absehen. Deshalb muß der seiner Verantwortung bewußte kirchliche Führer von heute jeden Schritt begrüßen, der uns vor neuem Krieg bewahrt. Aber mehr noch! 124