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Der Morgen · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · p. 124

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Article
Deutscher Protestantismus und Völkerfriede
Date
1929-06-01
Page
124 (sequence 17)
Language
German
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Deutscher Protestantismus und Völkerfriede aus den Referaten von Fachleuten fast aller beteiligten Lander folgende nüchternen, aber vielsagenden Satze aufgestellt: 1. Es wird in vielen Staaten auf einen kommenden Gaskrieg hin gerüstet, ohne daß es bisher gelungen wäre, wirksame internationale Gegenmaßnahmen zu treffen. 2. Es gibt keine chemischen oder technischen Schutzmittel, die es der Bevölkerung angegriffener Städte möglich machen könnten, sich gegen die Gefahren zu schützen. Man muß sich obendrein darüber klar sein, daß sogar die Schreckensbilder, die man sich von liier aus ziemlich leicht ausmalen kann, wiederum nur ein kleiner Ausschnitt sind aus dem, was in Wirklichkeit der Krieg der Zukunft bedeutet. Denn wie schon in der Friedensindustrie die Maschine weithin zum Tyrannen des Menschen geworden ist, so handelt es sich erst recht im modernen Krieg, genau genommen, um Maschinerien, die mit den raffiniertesten Mitteln und mit dem Einsatz der höchsten Intelligenz von Völkern gegeneinander losgelassen werden. Sieht man von ein paar verschwindenden Ausnahmefällen, etwa den Kampffliegern, ab, so bleibt für die Mehrheit der Bevölkerung in den betefligten Ländern schlechterdings keine Möglichkeit mehr, so etwas wie Heroismus im Stile des ritterlichen Zweikampfes zu beweisen. Schon deshalb ist die mechanische Weitergabe der alten Ideale sachlich unzureichend. Man wird eine in den Wellen des Giftgases erstickende Bevölkerung nicht trösten können mit den Klängen, die aus unseren Vaterlandsliedern, oder mit den Trostworten, die aus der lutherischen Berufspredigt herauszuhören sind. Es ist also die Aufgabe einer lebendigen Kirche, schon jetzt dafür zu sorgen, daß dem Krieg der Zukunft gegenüber diejenigen christlichen Motive gepflegt werden, die wirklich imstande sind, auch dann noch, wenn alles Irdische verloren ist, ein Herz in Gott zu trösten. Infolgedessen karan die Aufgabe heutzutage nicht anders lauten, als wie sie unsere Väter zu ihren Zeiten verstanden haben, nämlich: wie soll heule und hier das christliche Gewissen in der Debatte um Krieg und Frieden sich entscheiden? Die Antwort sollte nicht schwer sein, sobald man noch an eine andere Veränderung denkt, die uns sowohl von den Freiheitskämpfern vor hundert Jahren, wie auch dem Geschlecht der Reformation unterscheidet: wir sind aktiv mitverantwortlich gemacht bei der Regierung unseres Volkes. Es hat sich also ein merkwürdiger Wechsel vollzogen. Der von Luther im 123 9*

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