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Der Morgen · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · p. 122

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Article
Deutscher Protestantismus und Völkerfriede
Date
1929-06-01
Page
122 (sequence 15)
Language
German
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Deutscher Protestantismus und Völkerfriede früher abgelehnt, das Leben auf verstandesmäßige Weise und bloß im Hinblick auf das Glück aufgefaßt zu sehen, so können wir jetzt die positive Ergänzung dazu bieten. Die über allen Verstand hinausreichende Liebe zu Volk und Vaterland, der nationale Opfersinn, der besonders die Jugend zu begeistern vermag, das Aufflammen des Einheitsbewußtseins unseres Volkes in Zeiten der Erhebung: das alles sind Elemente, die nicht nur in ihrer geschichtiichen Größe anerkannt sein wollen, sondern die als gestaltende, sittliche Kräfte gerade den Gegner des Krieges vor eine schwere Aufgabe stellen. Er muß nachweisen, daß es auch auf anderem als kriegerischem Wege geeignete Gelegenheiten gibt, um vaterländischen Opfersinn in höchstem Maße zu entwickeln, wie es William James in seiner Ansprache „The moral Equivalent of War" *2) des näheren ausgeführt hat. Erst wenn man die beiden großen Überlieferungen in Ruhe gewürdigt hat, darf man nunmehr die für heute entscheidende Frage aufwerfen: reichen diese Überlieferungen jetzt noch aus, um dem lebenden Geschlecht den Weg in die Zukunft zu zeigen? Oder ist nicht dieselbe Arbeit der Übersetzung, wie sie unsere Väter für ihre Zeiten geleistet haben, von neuem anzugreifen? In der Tat tragen die skizzierten Ideale neben dem bleibenden Wert, den sie haben, auch den Zug der Vergänglichkeit an sich. Die Gegenwart läßt sich nicht vom Vergangenen meistern, sondern fordert uns auf, neue Wege zu betreten. Davon soll zum Schluß die Rede sein. IV. Wie sehr auch die ethische Haltung dem Krieg gegenüber durch Zeitverhältnisse bedingt ist, läßt sich vielleicht daran am raschesten erkennen, daß jede große Auffassung von Krieg und Frieden einer bestimmten Periode der Kriegsgeschichte entspricht. Luthers Gedankengang setzt eine Militärorganisation und eine Kampfesmethode voraus, wie sie zu Beginn des 16. Jahrhunderts üblich waren: Söldnertruppen schlagen sich miteinander herum — das ist ihr Amt —, während die Masse der Bevölkerung vielleicht in Mitleidenschaft gezogen wird, aber jedenfalls in der Hauptsache untätig zuschaut. Angesichts solcher Verhältnisse, die ja noch ungefähr für die Kriege Friedrichs des Großen in Geltung sind, spitzt sich tatsächlich das religiös-ethische Kriegsproblem zu auf die Frage: „ob ein Kriegsmann im seligen Stande sein kann". Mit der französischen Revolution wird das alles ganz anders. Die „levee 9 \2\

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