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Der Morgen · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · p. 121

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Article
Deutscher Protestantismus und Völkerfriede
Date
1929-06-01
Page
121 (sequence 14)
Language
German
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Heinrich Frick schichtlichen Gründen in unserem Vaterlande die Form, des Freiheitskampfes angenommen und sich im Unterschied zu anderen Landern nicht zunächst gegen die eigene Obrigkeit, sondern gegen fremde Unterdrückung gewandt. Unter solchen Umständen, im Erlebnis innerer Wiedergeburt (vor allem Preußens) und des Befreiungskampfes nach außen, entstand jene idealistische Vision eines neuen Kriegsmannes, wie er z. B. noch in der „Wacht am Rhein" besungen wird: „der deutsche Jüngling fromm und stark beschirmt die deutsche Landesmark". Dieses Ideal, das nicht bloß in Liedern weiterlebt, sondern das vielfältig durchdacht worden und tief in das Empfinden weiter Volksschichten eingedrungen ist, hat noch manches gemein mit den Gedanken Luthers. Ich nenne die Verknüpfung von Kriegsdienst mit Frömmigkeit, den ethischen Ernst der Berufspflicht, den gläubigen Heroismus, der nicht blind gegen die Greuel des Krieges, sondern wissend und sehend, gleichsam mit zusammengebissenen Zähnen tut, was sein muß. Aber an zwei Stellen weicht das neue Ideal wesentlich ab von demjenigen Martin Luthers. Zunächst handelt es sich nicht mehr um einen Stand, eine kleine Berufsgruppe, ein Söldnerheer, das als Minorität neben der Masse „ehrenwerter" Bürgersleute mindestens den Anflug von Minderwertigkeit hat. Der Soldatenrock ist jetzt kein Söldnerkittel mehr, sondern gerade die vornehmsten Glieder des Volkes rechnen es sich zur Ehre, in Reih und Glied mit allen anderen zu stehen. Der Kriegerstand ist nationalisiert und damit demokratisiert. Desgleichen ist in einer anderen Hinsicht etwas Wesentliches verändert. In der Schrift von IÖ2Ö war stets vorausgesetzt, daß die Entscheidung über Krieg und Frieden in den Händen einer Obrigkeit liegt, die selbst durchaus über dem Krieger steht. Nur bei offenbar ungerechtem Krieg mischt sich der Soldat selbst in die grundsätzliche Frage ein. Für gewöhnlich jedoch ist er — wie jeder lutherische Christ — auf den einfachen Gehorsam verwiesen. Dieses Verhältnis von Krieger und Obrigkeit gibt es jetzt nicht mehr. Der Sinn der Freiheitskriege liegt in der Wahrung des heiligen Gutes des Vaterlandes. Die Obrigkeit ist genau so wie der Soldat im Kampfe selber Organ eines anderen Subjekts geworden: des Nationalwillens, der Heimat, Vaterland und Staat als-^erpflichtendes Gottesgeschenk mit Einsatz des Lebens verteidigt. Auch damit ist etwas Bleibendes gewonnen, was nicht bloß den Protestantismus, sondern unser ganzes Volksbewußtsein bereichert hat. Haben wir es 120

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