Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Article
- Deutscher Protestantismus und Völkerfriede
- Date
- 1929-06-01
- Page
- 112 (sequence 5)
- Language
- German
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Deutscher Protestantismus und Völkerfriede gegen falsche Ideologien, die sich ebenso leicht mit der Arbeit für den Frieden verknüpfen, wie sie in zahlreichen Fällen die „Kriegstheologie" stützen müssen; daß praktisch dagegen in wachsendem Maße die deutschen evangelischen Kirchen bewußt eintreten in die große Arbeitsgemeinschaft aller friedliebenden Geistesmächte. I. Hinter jedem Pazifismus steht eine grundsätzliche Anschauung vom Wesen des M enschen und der Geschichte. Mustert man die Reihe der Friedensprogramme der Gegenwart durch, so sind es vor allem drei Grundformen, die sich leicht durch das Vielerlei hindurch . wahrnehmen lassen. I H>>U;scli. Am meisten Überzeugungskraft wohnt heute dem wirtschaftlichen Pazifismus inne. Er beruft sich auf Verstandesgründe. Was die Arbeiterschaft vor 1914 wußte, wissen heute auch die Arbeitgeber und überhaupt die nachdenklichen Schichten in allen Völkern: Krieg ist unwirtschaftlich, er rentiert sich nicht mehr, auch nicht für den sog. „Sieger". Diese einfache Tatsache ist schließlich der Kern in all den wirtschaftlich begründeten Ausgleichsbestrebungen der Gegenwart Da diese Tatsache seit dem Ausgang des letzten Krieges unwiderleglich geworden ist, so scheint der darauf aufgebaute Friedensplan die größten Aussichten zu haben, und politisch maßgebende Kreise stellen sich deshalb am liebsten von hier aus die Lösung des Problems vor. Man kann es nun den Kirchen nicht verdenken, wenn sie gerade gegen diese so verständige Auffassung mißtrauisch sind. Hinter der ganzen Berechnung steckt zwar nicht immer 7), aber in vielen Fällen ein geschäftlicher Egoismus. Ist dieser in den großen Lebensfragen ein wirklich guter Berater? Man weiß, wie oft dieselben Berechnungen dazu-haben dienen müssen, die Völker in Kriege hineinzuhetzen. Niemand kann im voraus wissen, ob nicht eines Tages gerade diejenigen, die heute den Krieg für unwirtschaftlich erklären, mit ihren Tabellen und Statistiken uns einzureden versuchen werden, daß unter anderen Bedingungen die Aussichten auf Erfolg im Kriege und infolgedessen auch die Urteile über ihn sich zu ändern vermögen. Diese Unsicherheit liegt stets in den angeblich so sicheren „Berechnungen". Es ist die Unsicherheit, die durch die Selbstsucht in alle große Entscheidungen hineingetragen wird. Aber auch abgesehen von diesem unberechenbaren Moment der Schwankungen können sich die Kirchen nicht bei rein wirtschaftlicher Begründung Ut