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Der Morgen · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · p. 111

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Article
Deutscher Protestantismus und Völkerfriede
Date
1929-06-01
Page
111 (sequence 4)
Language
German
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Heinrich Frick im Dienste des Friedensgedankens sehen möchte, und die des Generalsuperintendenten D. Dibelius, der — bei aller Zurückhaltung — die Mitarbeit der evangelischen Kirchen am Völkerbund fordert. Es ist also zuerst festzustellen, daß zwei verschiedene Strömungen im deutschen Protestantismus wirksam sind: eine dem Friedensgedanken gegenüber ungläubige und eine andere, die mehr oder weniger positive Mitarbeit der Kirchen am Völkerfriedeh bejaht. Nun wäre die Debatte leicht zu Ende zu führen, wenn es sich darum handelte, zwischen beiden Strömungen zu wählen. Aber damit würde man der wirklichen Lage nicht gerecht. Denn der Zwiespalt selbst ist nur wieder Folge und Ausdruck einer tieferen Spannung, die nicht einfach im Sinne der einen oder anderen Strömung gelöst werden kann, die vielmehr in jeder der beiden genannten Gruppen stark zu verspüren ist Meine eigenen Gedanken wollen für die Mitarbeit der Kirchen am Völkerflieden werben. Insofern muß ich mich von denen trennen, die skeptisch oder gar feindlich zur Friedensbewegung stehen. Aber ebenso habe ich mich, und zwar gerade als Theologe, abzugrenzen gegen mancherlei „Pazifismus". Es scheint mir nämlich nicht möglich zu sein, daß ein bewußter Protestant sich vorbehaltlos auf irgendwelche „pazifistischen" Bestrebungen einläßt. Der Glaube des Protestantismus selbst zwingt dazu, die Friedensfrage in einen größeren dogmatischen Zusammenhang zu rücken und insofern nicht mit einem vorschnellen Ja oder Nein zu erledigen. Die grundsätzliche Abgrenzung gegen verschiedene pazifistische Bewegungen der Gegenwart wird gefordert, weil dieselben mit ideologischen Voraussetzungen rechnen, die dem Evangelium widersprechen, manchmal sogar stracks zuwiderlaufen. Die taktische Verbrüderung mit solchen Kräften mag zwar durchaus statthaft sein, ja häufig dringend erwünscht. Aber sie kann sich immer nur auf ein bestimmtes, vorliegendes, einzelnes Ziel richten. Seine Gesamthaltung dagegen muß der Protestant — wie jeder Christ — aus denjenigen Voraussetzungen ableiten, die wir in dem Begriff Evangelium zusammenfassen. Gerade der Außenstehende hat also die Pflicht, am deutschen Protestantismus zu unterscheiden, worauf es ihm grundsätzlich in der Kriegsfrage ankommt, und worauf er praktisch im Einzelfalle hinauswill. Das sind zwei verschiedene Fragen, deren Antworten gewiß miteinander zusammenhängen, aber keineswegs sich zu decken brauchen. Im allgemeinen darf ich schon jetzt sagen, daß grundsätzlich von uns geltend gemacht wird der Einspruch 1X0

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