Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1929)
- Article
- Deutscher Protestantismus und Völkerfriede
- Date
- 1929-06-01
- Page
- 110 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Heinrich Frick: Deutscher Protestantismus und Vökerfriede rühren. Wir bitten die Kirchen, mit uns ein Gefühl zu haben für die Schrecken des Krieges, wie auch für seine Unzulänglichkeit für die wirkliche Lösung internationaler Streitfragen, und dafür zu beten und zu arbeiten, daß unter dem Zepter des Friedensfürsten Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen." Aber schon als dieser Text beschlossen wurde, haben einzelne Delegierte Einspruch erhoben, weil er viel zu schwach wäre.3) Bezeichnenderweise ist dieser Widerspruch die einzige Stelle gewesen, an der überhaupt die im übrigen vollständige Einheiüichkeit der Beschlußfassung in Stockholm unterbrochen wurde. Daß die Forderung nach emer^schärferen Ablehnung des Krieges durch die Kirchen zeitgemäß ist, beweist dann die weitere Entwicklung. Rascher, als man zu hoffen wagte, haben sich die in der Fortsetzung der Stockholmarbeit verbundenen Kirchen zu einer eindeutigen Anteilnahme an der Friedensarbeit entschlossen. Dafür ist vor allem bezeichnend die Resolution über Abrüstung, die im August 1928 der Prager „Kongreß des Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirchen" gefaßt hat Darin zählt der Kongreß zunächst diejenigen Tatsachen der politischen Lage auf, die ihn veranlassen, sich ausdrücklich an die christlichen Kirchen zu wenden, und fordert sie auf4): „Ihren Gliedern die vorgenannten Erwägungen vorzulegen und die feierliche Verpflichtung klarzumachen, daß alle Staaten, die Mitglieder des Völkerbundes sind, ihre bewaffneten Kräfte gemäß dem Völkerbundspakt einschränken und begrenzen müssen und ein allgemeines Schiedsgerichtssystem annehmen, wodurch Streitigkeiten durch friedliche, rechtliche Mittel beigelegt werden sollen;; er ruft die Kirchen auf, ihren sittlichen Einflußzusammen mit dem Völkerbund und den eigenen Regierungen dazu zu verwenden, daß dieselben mit aller Beschleunigung die internationalen Abmachungen treffen, die für diesen Zweck notwendig sind; er ruft die Kirchen auf, ihre Geisteskräfte und ihren erzieherischen Einfluß dafür einzusetzen, daß die Völker fortan ihre brüderliche Solidarität und ihre Verpflichtung zu zielbewußter Zusammenarbeit bejahen und so auf die völlige Ungebundenheit durch internationale Verpflichtungen verzichten. Die Kirche Jesu Christi nimmt als bindende Norm die heilige Ordnung an, die ihr Haupt ihr im Evangelium gegeben hat: »Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes«." Wenn auch der Tenor der Proklamation nicht zunächst auf deutschen Einfluß zurückweist, so hat doch die eindrucksvolle Rede des damaligen Reichsgerichtspräsidenten Simons5) über „die moralischen und religiösen Grundlagen des Weltfriedens" dem Aufruf vorgearbeitet, so haben die sämtlichen deutschen Vertreter, wozu offizielle Abgesandte des deutschen evangelischen Kirchenausschusses gehörten, emstimmig der Resolution zugestimmt6), und schließlich hat das Echo in Deutschland Zeugnis davon abgelegt, daß nicht mehr bloß einzelne Persönlichkeiten, sondern daß auch offizielle kirchliche Führung die Pflicht der Kirchen zur Mitarbeit am Völkerfrieden anerkennt. Es sei nur erinnert an zwei so verschiedenartige Stimmen, wie die des Landesbischofs von Mecklenburg-Strelitz D. Tolzien, der die Kirchen rückhaltlos 109