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Der Morgen · 1929-06-01 · Heft 2 (Juni 1929) · p. 109

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 2 (Juni 1929)
Article
Deutscher Protestantismus und Völkerfriede
Date
1929-06-01
Page
109 (sequence 2)
Language
German
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Deutscher Protestantismus und Völkerfriede Von Heinrich Frick Für den Außenstehenden hat das Verhältnis des deutschen Protestantismus zum Völkerfrieden etwas Undurchsichtiges. Die Stimmen, die im evangelischen Lager zu dem Thema „Krieg oder Frieden" laut werden, sind zu mannigfaltig, um eine tiefere Einheit herauszuhören. Ja, vielfach widersprechen sie sich auf das schroffste. Auf der einen Seite sieht es so aus, als ob nach wie vor ein großer Teil der evangelischen Geistlichen ablehnend oder wenigstens mit ertötender Kälte und Gleichgültigkeit den Friedensgedanken behandle.1) Nichtevangelische Beobachter suchen sich diese Tatsache gewöhnlich daraus zu erklären, daß früher Kirche und Staat eng miteinander verbunden gewesen sind, so daß in politischen Fragen der Geistliche einfach die Meinung der Obrigkeit aussprach. Da gleichzeitig eine internationale Organisation der evangelischen Kirchen fehlte, so konnten nicht einmal gewisse geistige Vorbehalte lebendig bleiben, wie sie etwa für den katholischen Priester in jedem Zeitalter irgendwie gegolten haben. Die Gegenwart versteht man dann so, daß es vorerst noch vielen evangelischen Pfarrern schwer falle, aus der Haltung des Staatsdieners herauszukommen. Auf der anderen Seite läßt sich nicht leugnen, daß die Anzeichen für einen Umschwung immer zahlreicher werden. Die Botschaft von Stockholm 1925 schlägt zwar noch einen ziemlich sanften Ton an, wenn sie ausführt2): „Wir haben auch die für die internationalen Beziehungen maßgebenden Gedanken durchberaten, die von völkischer Selbstvergötterung ebensoweit entfernt sind, wie von einem matten Kosmopolitismus, dem jedes beliebige Land gleichviel bedeutet. Wir haben die Verpflichtung des Einzelgewissens dem Staadt gegenüber betrachtet. Wir haben den universellen Charakter der Kirchen und ihre Pflicht, die Bruderliebe zu predigen und auszuüben, anerkannt. Wir haben das Rassenproblem, die Frage nach Recht und Schiedsgerichtsbarkeit, sowie nach der Herstellung einer internationalen Ordnung untersucht, die friedliche Methoden zur Entfernung der Kriegsursachen enthalten könnte, Fragen, welche uns in der Tragik unserer Tage so tief be- X08

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