Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1 (April 1929)
- Article
- Gobineau redivivus [Rezension]
- Date
- 1929-04-01
- Page
- 93 (sequence 3)
- Language
- German
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Gobi&eau redivivus haben, denn was er ihnen mit der Rechten zu geben scheint, nimmt er ihnen mit der Unken. „Es hat niemals in Europa", sagt Wirth, „ein indogermanisches Urvolk oder eine einheitliche indogermanische Ursprache gegeben. Von dem frühesten Zeitpunkt an, wo wir die nordische Rasse in Europa in der jüngeren Steinzeit anthropologisch erfassen können, erscheint sie bereits als mehr oder minder gemischt, und auf alle Fälle bildet ihre Unterschicht eine nicht nordische, sondern asiatische Rasse." Das deckt sich auch ungefähr mit dem Standpunkt der neuesten Sprachforschung, obwohl diese noch an der Hypothese einer indogermanischen Ursprache festhält: schätzt doch z. B. der Germanist Feist ein Drittel des deutschen Sprachgutes als nicht indogermanisch. Gibt es aber in Europa kein reines indogermanisches Blut, so verliert auch Gobineaus Stammbaum seinen Uradel. „Der eigentliche Wikingertyp", sagt Wirth, „ist nicht jener reinhlütige, nordische Mensch, sondern immer jener Mischtyp, der neben großer Begabung recht unausgeglichene und unharmonische, oft abstoßende Eigenschaften zeigen kann". In dem Skalden Egil der isländischen Sagas zeigt er diese unheilvolle Rassenmischung auf. „In ihm verbinden sich die Eigenschaften des lappo-finnischen Nomadenblutes, das Blut des Raub- und Wanderlappen, mit denen des nordischen Menschen der Tat und seinem Drang zur Ferne zu einem harten, wilden, unharmonischen Wesen." „Die Rassenmischung zwischen den Tuatha (Urgermanen) und den Finnenvölkern wurde die geschichtliche Ursache der ersten Zersetzung des reinen monotheistischen Lichtglaubens der NordaÜantiker. An dieser Rassenmischung zerbrach die geistige Einheit des Volkes; so wurde es für die spätere zersetzende Einwirkung mitteleuropäischen und orientalisch-asiatischen Götzenglaubens zugänglich." Daher das „ostisch-wodanische Heidentum" der Germanen und der „blutrünstige, mitteleuropäisch-asiatische Aberglaube der Kelten, das Schamanentum ihrer Druiden"___ Die Juden müßten nach alledem eigentlich eine besonders gute Note erhalten, denn sie sind das einzige Volk der Weltgeschichte, bei dem sich der ursprüngliche Monotheismus rein erhalten hat. Aber sei es Rasseabneigung, sei es die nicht minder starke Abneigung gegen alles Priestertum und gegen jede Theologie — bei den Nordatlantikern lag das Priestertum lediglich in Frauenhand —, Wirth hat für die jüdische Religion, selbst für den hohen Gottesbegriff der Propheten, nur ein auffallend geringes Verständnis. Die wahre Rückkehr zur nordatlantischen Religion findet nach ihm erst im Urchristentum statt. Natürlich postuliert er auch mit Chamberlain eine „arische" Herkunft des Galiläers, und natürlich ist ihm auch mit Arthur Drews die ganze christliche Symbolik nur uraltes Erbgut. „Es gibt keine eigentliche christliche Symbolik." Alles aber, was sich mit diesem Erbgut der Nordatlantiker nicht deckt, wie die paulinische Erlösungslehre, ist „dekadent". An Stelle der Juden erfahren bei Wirth die semitischen Phönizier eine Art Ehrenrettung. Sie waren zwar nur praktische Kaufleute, die sich das Gute nahmen, wo sie es fanden, aber sie schöpften doch aus der großen Erbmasse der indogermanischen Seevölker, die unter den Ramessiden in Ägypten eingefallen waren und von denen die sehr 93