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Der Morgen · 1929-04-01 · Heft 1 (April 1929) · p. 92

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (April 1929)
Article
Gobineau redivivus [Rezension]
Date
1929-04-01
Page
92 (sequence 2)
Language
German
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Friedrich v. Oppeln-Bronikowski ihr Kapitalismus) die letzten und schwersten Verfallssymptome. Beide sehen trotzdem die Möglichkeit eines Ausweges aus dem Untergang aller höheren Werte: Gobineau zimmert sich in dem Märchen von Ottar Jarl einen Stammbaum aus reinem Wikingerblut und läßt trotz aller Rassemischungen die erlösende Ausnahme von dem algemeinen Gesetz des Verfalls zu, daß ein Begnadeter die Stimme des reinen Urväterblutes wieder vernimmt; Wirth verweist immer wieder auf das Durchschlagen des nordatlantischen Blutes und der nordatlantischen Erbmasse nach langen Verfallszeiten, so in der bekannten monotheistischen Reformation des ägyptischen „Ketzerkönigs" AmenophisIV. im Urchristentum Und in Luthers Reformation, und „heute birgt das Erwachen der nordischen Rasse in der Welt in sich die einzige Möglichkeit der Erlösung vom Alberichfluche der Herrschaft des Geldes, dem alles anheimzufallen droht, mit Vernichtung des letzten Bewußtseins für höhere Werte". Wenn sich trotzdem erhebliche Unterschiede im einzelnen zwischen Gobineaus und Wirths Theorien finden, so liegt das an den großen Veränderungen des wissenschaftlichen Weltbildes und an Wirths Zu rückgreifen in eine für Gobineau noch ganz dunkle Urzeit Er glaubt nicht mehr an eine asiatische Herkunft der Arier, die ein Fehlschluß der jungen Indologie war. Für ihn liegt die Urheimat der Nordatlantiker in den Polargebieten Nordamerikas und Grönlands. Die Neue Welt ist also eigentlich die älteste Welt. Nach den neuesten Blutserumforschungen war diese Bevölkerung des hohen Nordens eine Variation der indianischen Rasse, die durch das Klima und die eigenartige Sonnenbahn der Arktis nicht nur ihre physische Sonderart, sondern auch ihren reinen monotheistischen Lichtglauben empfing; ihr Rechtsempfinden» ihre Sprache und sogar ihre symbolischen Schriftzeichen flössen aus der gleichen Quelle. Durch die Vereisung der Arktis infolge der Polschwankungen wurde sie nach Nordamerika und nach dem sagenhaften Erdteil Atlantis (zwischen Nordamerika und Europa) verdrängt, und als auch dieser durch eine Erdkatastrophe unterging, gelangte sie nach den britischen Inseln und von da in jahrtausende langen Wanderungen durch ganz Europa, Nordafrika und Vorderasien bis nach China und Polynesien. Überall brachte sie den gelben und schwarzen Urrassen ihre hohe Kultur und ihren Lichtglauben und ließ ungezählte körperliche, geistige und sprachliche Spuren zurück, die Wirth durch alle Kulturen und Erdteile wieder aufdeckt. Überall aber auch beging sie den Sündenfall, die „Sünde wider das Blut", indem sie sich mit den tiefer stehenden Rassen vermischte. So schlug deren Zauberwesen und Götzendienst mit dem fremden Blute immer stärker durch und trübte die hohe nordatlantische Kultur bis zur Unkenntlichkeit. „Nur in der babylonischen Astralsymbolik", sagt Wirth, „ist der ganze ursprüngliche Wintersonnenmythos noch klar erhalten." Über Wert oder Unwert dieser Theorie vermag nur der zu entscheiden, der in mindestens sechs Fachwissenschaften zu Hause ist. Aber gerade der Fachwissenschaft gegenüber wird der Außenseiter Wirth, der so viele Fachschranken niederreißt und die kühnsten Hypothesen wagt, keinen leichten Stand haben. Aber auch unsere Rassenfanatiker werden wenig Freude an seinem Buche 92

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