Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1 (April 1929)
- Article
- Gobineau redivivus [Rezension]
- Date
- 1929-04-01
- Page
- 91 (sequence 1)
- Language
- German
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Gobineau redivivus Betrachtungen zu Herman Wirths „Aufgang der Mensdiheit" Von Friedridi von Oppeln-Bronikovski Auf Oswald Spenglers pessimistischen „Untergang des Abendlandes" folgt, noch pessimistischer in seinen Wertungen, noch weiter ausgreifend in seiner weltgeschichtlichen Synthese, Herman Wirths »Aufgang der Menschheit" (Verlag Eugen Diederichs in Jena), von dem bisher nur der erste Band (63o Quartseiten mit reichem Bilderschmuck) vorliegt, dem ein zweiter, „Der Urglaube der Menschheit", und wenn möglich ein Bilderatlas von Oooo Nummern als wissenschaftliches Beweismaterial folgen soll. Bei Spengler hatte wenigstens jede Kultur ihren Aufstieg und ihre lichte Höhe vor dem unabänderlichen Verfall; für Wirth gibt es nur ein verlorenes Paradies, das die nordatlantische Rasse der Steinzeit bevölkerte, und die ganze spätere Geschichte ist fortschreitender, trostloser Verfall und Entartung, von wenigen Messiashoffnungen durchleuchtet. Der Gedanke ist also nicht neu, ebensowenig seine streng naturalistische Begründung. Er ist nur eine zeitgemäße Erneuerung der Rassentheorie des Grafen Gobineau, wie sie am Schlüsse des ersten Bandes seines „Versuches über die Ungleichheit der Menschenrassen" (i853) formuliert ist: „daß es zehn große Kulturen der Menschheit (einschl. der amerikanischen und chinesischen) gibt und daß alle aus der Initiative der weißen Rasse hervorgegangen sind. Keine wahre Kultur bei den europäischen Völkern, wenn die arischen Zweige nicht die Herrschaft gehabt haben... Ebenso keine Kultur bei den gelben Völkern und Stillstand, wenn das arische Blut sich erschöpft zeigt". Merkwürdig genug findet sich in Wirths Buch und in den Kritiken desselben, die mir zu Händen gekommen sind, kein Bezug auf diese zwingende Parallele, die sich noch viel weiter fortspinnen läßt. Beide Männer sind Außenseiter der Wissenschaft (Gobineau war Dichter und Diplomat; Wirth, ein niederländischer Friese, hat sich im Weltkriege leidenschaftlich für die vlämische Autonomiebewegung eingesetzt und lebt seit dem Zusammenbruch als Privatgelehrter in Marburg). Beide sind positivistische Romantiker, die ihre Theorien auf die Naturwissenschaft ihrer Zeit begründen und im Blute den Schlüssel für alles Kulturgeschehen suchen. Für beide sind die modernen Gesellschaftsformen (bei Gobineau die Demokratie, bei Wirth 91