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Der Morgen · 1929-04-01 · Heft 1 (April 1929) · p. 81

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (April 1929)
Article
Aufklärung, Romantik und Gegenwart
Date
1929-04-01
Page
81 (sequence 9)
Language
German
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Aufklärung, Romantik und Gegenwart klärung, als typische Denk- und Fühlweise einer Zeit, die ungeduldig die Enge und Einseitigkeit des Aufklärungsideals empfindet und sich bewußt ihm entgegensetzt. Die Zeit dieser Antithese beginnt bereits mit dem Sturm und Drang.. Herder verkörpert sie und sie umfaßt auch die Größten der Zeit: Goethe, ja Schiller trotz seines Kantianismus, ebenso wie Fichte. Zu ihr zählt noch die Philosophie Hegels. Für gewöhnlich aber faßt man bekanntlich den Begriff der Romantik enger, denkt man an die Vertreter der „romantischen Schule" und ihre engeren Gesinnungsgenossen, für gewöhnlich stellt man der Romantik nicht die Aufklärung, sondern die Klassik als Gegensatz gegenüber. In geistvollster Weise ist diese Antithese in seinem bekannten Buch von Fritz Strich durchgeführt worden und bei ihm wie bei andern wird dann aus diesem zeitlich bedingten ein allgemein menschlicher, ein Gegensatz, der durch die Geistesgeschichte überhaupt sich hindurchzieht. Es darf jedoch, scheint mir, nicht übersehen werden, daß dieser Gegensatz so wie er uns im Anfang des 19. Jahrhunderts begegnet, auf der gemeinsamen Grundlage der oben kurz bezeichneten Denkweise und Ideenwelt sich differenzierend herausbildet. Der Gegensatz der „Klassik" und „Romantik" entwickelt sich (freilich unter Mitwirkung von Motiven, die im Verlauf der menschlichen Geistesgeschichte in verschiedenen Formen öfter wiederkehren), wie sich die andern Weltanschauungsverschiedenheiten entwickeln, für die die Denkweise der „Romantik" im weiteren Sinne Raum bietet und die ich weiter oben flüchtig berührte. Durch die Worte „Vollendung" und „Unendlichkeit" deutet Strich den Gegensatz inhaltlich an, um den es sich hier handelt. Dem Griechen der „klassischen" Kunst und Philosophie war das Gebilde, das sicheres Maß und edle Proportionen zeigt, dessen Teile zu harmonischer Einheit sich fügen, unter allen Umständen wertvoller, als das ins Unendliche Zerfließende, das Maß-, Form- und Gestaltlose. Das gilt für den schönen Körper, es gilt für das Universum, das eben damit als „Kosmos" allem Chaotischen entgegensteht, es gilt für die Seele, deren schlimmste Untugend die Maßlosigkeit ist Die deutsche Klassik übernimmt diese Wertung — wie sie immer irgendwie auftauchen wird, wo ein „klassisches" Ideal der Kunst und des Lebens, ein endgültiger, in sich vollendeter Typus von klassischer Vorbildlichkeit aufgestellt wird. Die " in sich ruhende, zugleich harmonische, reife und reiche Persönlichkeit, ein zugleich ethisches und ästhetisches Menschenideal (wie der „Kalokagathos" des Griechentums) schwebt Goethe als höchste Lebensverkörperung . vor, 6 8X

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