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Der Morgen · 1929-04-01 · Heft 1 (April 1929) · p. 67

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (April 1929)
Article
Der Schwiegervater des Moses
Date
1929-04-01
Page
67 (sequence 3)
Language
German
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Dar Schwiegervater des Moses worden sein. Allein man hat mit Recht eine einheitliche Entwicklung dieser Geschlechtsbeziehungen bei allen Völkern abgelehnt, weil ein Nachweis nicht möglich ist. Eine Analogie von jetzt noch lebenden unzivilisierten Völkern ist aber nur mit großer Vorsicht aufzunehmen. Bei den Juden findet sich jedenfalls keine Spur, kein Anklang von Polyandrie, auch nicht der leiseste. Wohl aber haben wir Reste in der Bibel vom Matriarchat; nur darf man darunter nicht die Herrschaft der Frau in der Familie bezeichnen, als vielmehr die Ordnung der Familien- und Geschlechtsverhältnisse, bei denen die Beziehungen der Kinder zur Mutter als die stärkeren und maßgebenderen gelten. Infolgedessen bestimmt die Mutter die Verwandtschaft; die Kinder gehören zum Geschlecht und Stemm der Mutter, nicht des Vaters. Die Frau steht unter der Munt ihrer männlichen Blutsverwandten (Stade, Geschichte Israels I, i46). Die Bezeichnung als Brüder im vollen Sinne kommt nur den Söhnen einer Mutter zu (vgl. Genes. 4a, 38; 43, 3g; 44, 20; RL 8, 19 usw.). Im Talmud ist eine Erinnerung an diese Tatsache vorhanden, wenn es dort heißt: »Die Söhne gleichen den Brüdern der Mutter". Von den Resten des Matriarchats in der Bibel sei auf folgendes hingewiesen: 1. Die Beschimpfung der Mutter gilt als die schwerste Beleidigung (1. Sam. 20, 3o). 2. Den weiblichen Stammesheroen, insbesondere Rahel und Lea, und auch den Müttern der Könige erwies man hohe Ehren. 3. Die Frau hatte eigene Zelte. Isaak bringt Rebekka in das Zelt seiner Mutter; Sisera flieht in das Zelt der Jael (doch kann ihr Name hier besonders erwähnt sein, weil sie ja später die Tat vollbracht hat). 4. Der Mann folgte der Frau. Wenn man die Stelle Genes. 2, 24 hierfür nicht in Betracht ziehen will, so muß auf die Befürchtung Eliesers (2 4» 5) hingewiesen werden, daß vielleicht die Frau dem Manne nicht wird folgen wollen (vgl. hierzu Genes. 20, 12). 5. Ausschlaggebend aber ist die Tatsache, daß man sich nur mit der Mutter blutsverwandt fühlte. Die Ehe mit Stiefgeschwistern oder die Verbindung mit der Stiefmutter hatte in alter Zeit nichts gegen sich, Sara war die Schwester von Abraham (Genes. 20, 12). Thamar meint, daß David sie dem Amnon nicht verweigern würde (II. Sam. i3, i3). Den Harem des Vaters mußte sich der Thronfolger zu eigen machen (vgl. II. Sam. 16, 21). Wenn Adonija die Abosag, die als Kebsweib Davids gelten konnte, zum 67 5*

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