Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1 (April 1929)
- Article
- Der Schwiegervater des Moses
- Date
- 1929-04-01
- Page
- 66 (sequence 2)
- Language
- German
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A. Kahlberg seine Mutter" usw. spricht nicht dagegen; sie will besagen, daß nach der Verheiratung der Mann eine neue Familie gründe. I. Wir haben aber auch einige Stellen in der Bibel, wo die Bedeutung des Vater9 ganz zurücktritt Es gibt nämlich noch eine andere Form der Organisation der Familie, das Matriarchat oder die Metrarchie. Wenn die Blutsverwandtschaft die Basis des sozialen Lebens bildet, so kommt ihr eine an, Bedeutung noch gleich: die Milchverwandtschaft. Das führt auf die Stellung der Mutter und ihre Herrschaft. Eine Theorie des Mutterrechts (von Bachofen im Jahre 1861 aufgestellt und von Engels und Bebel popularisiert) setzt die Herrschaft der Frau an den für alle Völker gemeinsamen Anfang.1) Die Frau, die als Mutter volles Recht über die Kinder besaß, konnte auch über ihre eigene Person frei verfügen; ja, sie besaß innerhalb ihres Stammes eine dem Manne gleichartige, oft auch überlegene Stellung. Gerade bei der Eheschließung wird die Mitwirkung des Vaters oft vermißt; an seine Stelle treten die Vollbrüder und die Mutter. Das sind Reste eines sicherlich früher einmal bestehenden Matriarchats. In seinem Werke „Kinship and Mariage" bezeichnet Robertson Smith mit Matriarchat den sozialen Zustand, in dem nur die Abstammung von der gemeinsamen Mutter als Verwandtschaft zählt und der Mann nicht durch seine Kinder beerbt wird, sondern zunächst durch seine Brüder von derselben Mutter, in Ermangelung eines solchen durch die Söhne seiner Schwester von derselben Mutter. Er hat untersucht, inwieweit andere Verhältnisse bei den alten Arabern herrschten, wie sie uns normal erscheinen. Das System der Mutterherrschaft beruht nach Ansicht mehrerer Gelehrter auf der Polyandrie (Strabo XVI, 4, 783). Da man bei diesem Zustand den Vater nicht oder nicht sicher kennt, sondern nur die Mutter bestimmt ist, ist sie es, die dem Kinde den Namen gibt; ihr, die ja nicht an einen Mann gebunden ist, gehört das Zelt, der Besitz und die Kinder. Das ist bis in die historische Zeit hinein geblieben, als der Grund dafür langst beseitigt und vergessen war. Als das Patriarchat aufkam, soll sie Besitzobjekt des Mannes gex) Aptowitzer hat im IV. Band von „The Hebrew Union College Annual 1927" eine Abhandlung über die Spuren des Matriarchats geschrieben, als ich diesen Aufsatz bereits vollendet hatte. A. behandelt vorwiegend die talmudische Literatur; über die Bibel spricht er nur in nicht ganz 5 Seiten. Ich habe nachträglich seine Ausführungen berücksichtigt und komme später im einzelnen darauf zu sprechen. Auch nach ihm ist das Matriarchat das ursprüngliche Hecht. 66