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Der Morgen · 1929-04-01 · Heft 1 (April 1929) · p. 63

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (April 1929)
Article
Rasse, Leistung und Schicksal in Sparta
Date
1929-04-01
Page
63 (sequence 8)
Language
German
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Rasse, Leistung und Schicksal in Sparta Macht, ehe man den Ring der Blutsgeschlossenheit öffnete. Und das Ende dieser Reformbewegung war ein Aufstand der enttäuschten Heloten. So blieb es bei der Überspannung, die die militärischen Kräfte der spartanischen Vollbürger erfuhren. Ihre Zahl, die ja immer weit zurückgestanden hatte hinler der der Heloten, schmolz so von Jahr zu Jahr mehr zusammen. Im wachsenden Maß wirkte es sich in der Politik aus, daß mit jedem einzelnen Spartiaten gespart werden mußte. Im Entscheidungskampf zwischen Athen und Sparta, im peloponnesischen Krieg, gelang es den Athenern (im Jahre £26), 180 echte Spartaner auf der Insel Sphakteria einzuschließen. Augenblicklich bot daraufhin Sparta zu den günstigsten Bedingungen den Frieden an. Um 180 Vollbürger willen — so lächerlich gering war die Zahl! — verzichtete man in einem so entscheidenden Ringen auf den Sieg! Und nur infolge politischer Unfähigkeit auf Seiten der Athener, die ihre Forderungen maßlos überspannten, nicht aus Mangel an gutem Willen bei den Spartanern, scheiterten schließlich dennoch die Verhandlungen des Jahres 42 5. Zur Zeit des Aristoteles, im 4- Jahrhundert also, gab es, so wird uns überliefert, nicht einmal tausend reine Spartiaten. Und soweit kam es: Ein einziger Schlag, die Niederlage von Leuktra (871), brach Spartas Machtstellung für alle Zeiten. Als dann der thebanische Sieger Epaminondas mit seiner Heeresmacht vor Sparta erschien, da, in. höchster Not, wurde den Heloten. Freiheit versprochen. Aber der Niedergang war nun nicht mehr aufzuhalten. Die messenischen Heloten erhielten ihre Freiheit vom Sieger Epaminondas, unter seiner Leitung wurde ein messenischer Einheitsstaat gebildet, und Sparta verlor so sein fruchtbarstes Gebiet. Was von Sparta lebendig geblieben ist, ist der Geist des Leonidas. Um so tragischer ist es) daß des Heldische, das in Sparta ganz rein verkörpert war, ohne geschichtsbildende Kraft geblieben ist. Um der Blutsgeschlossenheit der Spartiaten willen mußte es verzichten auf weitschauende äußere Politik im Sinne der staatlichen Machtentfaltung. Es mußte verzichten auf das Glück und die Sendung der Sinn Verwirklichung im Reiche der Kulturwerte. Es mußte verzichten auf das gesteigerte Lebensgefühl, das aus dem Einwirken auf das Schicksal der Menschheit erwächst; es hat den Jahrtausenden, die nach ihm kamen, keine Spuren seines Lebens- und Schaffens hinterlassen. Blutsbindung hat es aus dem Glanz in den Schatten der griechischen Geschichte und damit der Weltgeschichte gerückt. 63

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