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Der Morgen · 1929-04-01 · Heft 1 (April 1929) · p. 61

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (April 1929)
Article
Rasse, Leistung und Schicksal in Sparta
Date
1929-04-01
Page
61 (sequence 6)
Language
German
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Rasse, Leistung und Schicksal in Sparta hundert der lydische Dichter A1 k m a n in Sparta, und er, der Fremde, lehrte die Spartaner seine fremdstämmige Dichtkunst. Selbst bei den Spartanern wurde so einmal die strenge Abgeschlossenheit von der Sehnsucht nach Kulturwerten durchbrochen, die indessen nach dem zweiten Messenischen Kriege vollkommen und endgültig verstummt. Die Spartaner opferten alles für das eine Ziel, die Heloten weiterhin niederhalten, ihnen für immer alle Gleichberechtigung versagen zu können. Wenn sie ihre Gemeinschaft von Vollbürgern frei von fremden Blut in der alten Herrscherstellung erhalten wollten, konnten sie freilich keine Hörigen zu Burgern machen, wie die Römer es taten, um dem Staat neue Kräfte zu gewinnen. Seit dem 6. Jahrhundert verschwindet Sparta ganz aus der Reihe derer, die mitschufen an der griechischen Kultur. Kein einziger Spartaner spendet Samenkörner zu dieser Saat, die durch Vermittlung Alexanders und des römischen Imperiums vor allem, einst Keime treiben sollte in allen Erdteilen. Es konnte nicht anders sein: Fremden Dichtern und Künstlern war Sparta verschlossen, und wie sollten die Sparliaten selbst Muße finden, Kulturwerte zu schaffen, wenn sie nie Schwert und Schild ablegen durften aus Furcht, die unterdrückte Übermacht könne sich empören? Keine Zeit hatte man, das war es. Einen Äschylus und Pindar hätte man in Sparta rauh aus ihren Dichterträumen wecken und zur Waffenübung rufen müssen, damit ihre Kampfeskraft nicht erlahme: Jeden Tag konnte es ja gelten, sie zu beweisen. So hielten sich in Sparta uralte Einrichtungen und Gebräuche, die einst die Dorier als kulturloses Wandervolk ins Land gebracht hatten. Da Einfuhr und Ausfuhr verboten war, um verderbliche Einflüsse des Auslands zu meiden, war, als im Hafen von Athen — und nicht nur dort —Schiffe von allen Küsten des Mittelmeers ihre Schätze abluden, für Sparta noch Ackerbau und Viehzucht die wirtschaftliche Grundlage. Die Jahrhunderte hindurch blieb das Hauptgericht der Krieger in ihren Zeltgenossenschaften die berühmte schwarze Suppe: Im Blute gekochtes Schweinefleisch, nur mit Salz und Essig gewürzt. In der Kaserne kann der Kulturfortschritt nicht gedeihen.1) Und die Spartaner mußten noch mehr opfern als Kultur und Zivilisation: Bis zu den Perserkriegen war Sparta, das Heerlager Griecheni) Die primitive Lebensführung der Spartaner behandelt Nilsson, Klio XII, S.3o8ff., ihre_ Ursache in der ständigen Kriegsbereitschaft zeigt besonders Pöhlmann in seiner „Griechischen Geschichte" (S. 4a). 61

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