Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1 (April 1929)
- Article
- Rasse, Leistung und Schicksal in Sparta
- Date
- 1929-04-01
- Page
- 60 (sequence 5)
- Language
- German
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Hermann Funke Und die Zeit Keß diese militärische Zwangslage nur noch größer werden: In der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts zwang Landnot die Spartaner zum Angriff auf das fruchtbare Gebiet, das die Messenier bewohnten. Der Krieg endete mit dem spartanischen Sieg, und nun mußten auch die Messenier, Achäer wie die übrigen Heloten, den Spartanern also stammesfremd, ihr früheres Eigentum als Hörige der Sieger bebauen. Aber diese Messenier, deren Unterwerfung das zahlenmäßige Mißverhältnis zwischen herrschender Schicht und gedrückten Knechten noch unnatürlicher machte, fügten sich nicht in die Knechtschaft, wie die übrigen Heloten: Hundert Jahre später, um die Mitte des 7. Jahrhunderts, erhoben sie sich gegen die spartanischen Bedrücker. Erst nach langem blutigen Kampf, während dessen Verlauf, wie es scheint, zeitweilig auch für die Messenier Siegesaussichten bestanden, konnte Sparta den Aufständischen wieder die alte Knechtschaft aufzwingen. Dieser „zweite Messenische Krieg" bestätigte, welchen gefährlichen Sturm eine Empörung der unterworfenen Klassen entfesseln konnte. So bietet sich denn das bemerkenswerte Bild dar, daß trotz des Sieges über die Messenier bei don Spartiaten nicht als normale Folge gesteigerte Zuversicht zur Staatskraft, sondern gesteigerte Heloten f u r c h t sich einstellte.1) Mit ständig wachsender Grausamkeit wurde die Überwachung durchgeführt: Geriet ein Helot in den geringsten Verdacht aufsässiger Gesinnung, wurde sein Leben für vogelfrei erklärt. Bei Nacht hielt die spartanische Jugend Menschenjagd auf Heloten, die verdächtig schienen. (Die sogenannte Krypteia.) Der Verkehr mit dem Ausland wird nach dem zweiten Messenischen Krieg mehr und mehr abgeschnitteD, aus Furcht, Gedanken des Umsturzes könnten ins Land dringen. Und da Handelsbeziehungen leicht Kulturaustausch mit sich bringen, darf keine fremde Ware, keine fremde Münze ins Land, höchstens einheimischer Handel ist erlaubt. So streng war die kulturelle Abschließung nicht immer gewesen: Die Spartaner waren von Natur sangesfreudig. Bei ihren Festen sangen sie gern Lieder zum Reigentanz; unter dem Klang von Marschliedern zogen die Krieger aus. Und da die Freude an der Dichtkunst bei den Spartanern größer war als ihre eigene dichterische Schöpferkraft, hatten sie sich willig unter den Einfluß der reicheren Kunst Kleinasiens gegeben. So wirkte im 7. Jahrx) Die meisten staatlichen Einrichtungen in Sparta, so heißt es bei Thukydides, seien gegen die Heloten gerichtet. (Thuk. IV, 80, 3—4.) 60