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Der Morgen · 1929-04-01 · Heft 1 (April 1929) · p. 59

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (April 1929)
Article
Rasse, Leistung und Schicksal in Sparta
Date
1929-04-01
Page
59 (sequence 4)
Language
German
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Rasse, Leistung und Schicksal in Sparta sehende und Beherrschte geschieden1), und die Herrschenden verband gleiche Abstammung und gleiches Blut, das sie gleichzeitig trennte von den rassefremden, stammesfremden Beherrschten. Wenn irgendwo, so unterblieb hier das, was die Verkünder des nordischen Gedankens als entscheidendes Vergehen brandmarken: Hier vermischten sich nicht nordische Sieger und Eroberer mit fremdrassigen Unterworfenen. Aber: Die Zahl der dorischen Einwanderer, der spartanischen Vollbürger, war von vornherein nur gering: sie betrug nicht mehr als wenige Tausend, und die gedrückten Heloten, die Sklaven dieser kleinen Zahl, waren numerisch um das Vielfache überlegen. Konnten sie sich nicht jeden Tag gegen ihre Bedrücker empören? Im Gegensatz zu den römischen Patriziern wurden indessen die Spartiaten von einem Zwang regiert (der sich näherer soziologischer und psychologischer Deutung entzieht), auch nicht das geringste Eindringen fremder Elemente zu erdulden, und sie waren willens, diesem Prinzip, daß irgendwie von ihnen als unverbrüchliche Notwendigkeit empfunden werden mußte, jedes Opfer zu bringen, ja sich den elementaren Naturformen menschlichen Lebens verzichtend zu entziehen: So mußten sie in ständiger Kriegsbereitschaftleben. Ganz Sparta war ein großes Kriegslager. Ein Privatleben war den Spartiaten fast unbekannt. Meist von ihren Frauen getrennt, gehörten sie Zeltgenossenschaften von je i5 Bürgern an, in denen sie, wie Soldaten in der Kaserne, zusammen lebten, gemeinsam ihre Mahlzeiten einnahmen, gemeinsam sich stählten für täglich zu erwartenden Kampf. Die Geschichte kennt kaum einen zweiten Fall, in dem bis zu solchem Grade die Einzelpersönlichkeit dem Staatsinteresse geopfert wurde. Aber war es denn nicht nötig, alle Kräfte aufzubieten, die der einzelne irgendwie hergeben konnte, wenn man dieses Staatsinteresse darin sah, daß eine kleine Minderheit einen fremden Stamm, deren Gebiet sie erobert hätte, wie Sklaven niederhielt? Schon bei der Geburt sprach die Staatsnotwendigkeit ein Machtwort: Ein Spartiatenkind von schwächlichem Körper wurde in den Taygetosbergen ausgesetzt. Was half der Gemeinschaft ein Bürger, der nicht die Waffen führen konnte und vielleicht dazu noch Kinder in die Welt setzte, die körperlich ebenso unfähig waren wie er selbst? 1) Eine grundlegende Arbeit über das Verhältnis zwischen Spartanern und Achäern ist- „Grundherrschaft und Hörigkeit in Sparta" von K. J. Neumann, Histor. Zeitschrift, Neue Folge, Band 60. 59

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