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Der Morgen · 1929-04-01 · Heft 1 (April 1929) · p. 54

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (April 1929)
Article
Der Gräberschutz im römischen und im älteren deutschen Reich
Date
1929-04-01
Page
54 (sequence 5)
Language
German
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Max Prager höfe, welche ebenfalls unter res sanctas gehören, weil selbe bei schwerer Strafe ... nicht violiert werden dürfen, infolglich speciali legis sanctione für alle Verletzung bewahrt sind." Das war freilich nicht immer so. Wie wechselvoü vielmehr in deutschen Landen die Lage der jüdischen Friedhöfe in jedem Sinne dieses Wortes war, zeigt das Beispiel des Nördlinger Judenfriedhofs. Ueber diesen berichtet Professor Ludwig Müller in seinen Beiträgen zur Geschichte der jüdischen Gemeinden im Ries: „Seit unverdenklicher Zeit besaßen die Juden für ihre Toten einen eigenen Friedhof, der altem Brauch entsprechend wohl zunächst ihrem Gotteshause lag". Das von dem Junker Rindfleisch von Röttingen im September 1298 im Ries veranstaltete Judenpogrom machte indessen der Nördlinger Judengemeinde samt ihrem Friedhof ein Ende. Kaum hatte sich dann in der Zeit Ludwigs des Bayern eine zweite Judengemeinde in Nördlingen angesiedelt, als diese im Jahre i348 abermals vernichtet und der alte jüdische Friedhof „von Christen mit Wohnhäusern überbaut wurde". Am 1. April 1378 erteilte Bischof Burkhardt von Augsburg einer dritten Nördlinger Judengemeinde die Erlaubnis zur Anlegung eines Friedhofs. Allein, auch dieser blieb nur kurze Zeit im Gebrauch. Schon im Jahre i384 wurden die Nördlinger Juden, welche die dortigen Zunftbrüder nach den Worten Müllers „in ihren Eingaben an die städtischen Behörden ungescheut als Geschmeiß und Ungeziefer bezeichnen durften, nur weil sie ihnen im Kampf ums Dasein hinderlich waren", am St. Marthatag, 29. Juli i384, restlos erschlagen: „Mann und Wib und Bind und namen in alles ir gut und wer in was schuldig was, da gab iem niemand nichts umb". Vielleicht wurden die Opfer dieser „Getat" noch auf dem 1378 angelegten neuen Friedhof verscharrt. Dann mag dieser als Bleiche gedient haben. Im Jahre i4i5 wies dann der Nördlinger Rat einer vierten Nördlinger Judengemeinde ein ihm gehöriges Grundstück am Henkelberg als Friedhof an. Auch dieser stand kein volles Jahrhundert in Benützung. Am Sonntag unsem lieben purgern, armen und reychen, swie die genant sint, überal in unserer stat ze Straubing unser und unseres landes huld gar und gantzieichen gegeben haben und auch geben mit diesem brief umb di tat, das si unser juden ze Straubing verprennet und verderbet habent und gemainleich umb all di auffläuf, di davon auferstanden sint. darzu, swer der ist in unserer stat ze Straubing, der der selben juden hab ze Straubing icht genomen hat mit austragen oder swie si in sein gewalt chomen ist, haimleichen oder offenleichen, di selb hab sol in beleiben, darzu haben wir auch die genad getan, swas di selben unser purger den selben unsern juden ze Straubing geltes schuldich gewesen sind, es sei mit hantvesten, mit pfanten, mit porgen oder swie si des schuldich sint worden untz auf den heutingen tag, des Süllen si gar und gantzieichen ledich sein." Vergl. Solleder, Urk.-Buch der Stadt Straubing, S. i56, Nr. 162. 54

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