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Der Morgen · 1929-04-01 · Heft 1 (April 1929) · p. 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (April 1929)
Article
Die jüdisch-christliche Mischehe
Date
1929-04-01
Page
27 (sequence 10)
Language
German
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Die jüdisch-christliche Mischehe alten Zeiten geheiligte Institution, die so brüchig geworden wäre wie die Ehe. Der lebenslänglichen Gemeinschaft ehelicher Treue wird von vielen, und es sind wahrhaftig die schlechtesten nicht, die Kameradschaftsehe als das Ideal unsrer Zeit entgegengehalten. Und welche schier verwirrende Fülle von Einzelfragen drängt sich dem Individuum wie dem Volke, ja der zivilisierten Menschheit von heute mit dem Eheproblem auf: außerehelicher geschlechtlicher Verkehr, Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, Prostitution, Wohnungsnot, Spätehe, unfreiwilliges Altjungferntum, Geburtenrückgang, künstliche Geburtenbeschränkung, Stellung des unehelichen Kindes, Ehescheidung u. a. Alle diese Fragen sind leider, und einzelne davon in besonders hohem Maße, auch Fragen der Judenheit unserer Gegenwart geworden. Und hier wird es besonders deutlich, welche außerordentliche Macht die Religion und ihr Gesetz, da wo es anerkannt wird, auch für die moralische Erziehung ihrer Bekenner haben kann. Wo die Juden von der Autorität ihrer Religion sich emanzipiert haben, und in dem Maße wie sie es getan haben, ist auch ihre Auffassung von der Ehe und was damit zusammenhängt, schwankend und lax geworden. Es ist charakteristisch, daß in den Ländern, wo der Jude durch Vermischung mit seiner Umgebung religiös gleichgülliger geworden, wie in Dänemark, Italien und Australien, sich auch die relativ größte Zahl von jüdischen Mischehen findet, wogegen ihre Zahl verhältnismäßig gering in Ungarn (außer Budapest), Rumänien, Galizien, Bukowina und (infolge der Herrschaft der Orthodoxie) auch in Holland ist, Ländern, in denen im allgemeinen die Juden ihrem Religionsgesetz treu geblieben sind. Eine weitere Bestätigung dieser Beobachtung liegt in der Tatsache, daß in Frankreich, England und Amerika die schon stark fortgeschrittene Mischehe mit der steigenden Einwanderung von Ostjuden zurückgegangen ist, soweit nicht diese Einwanderer sich ihrer Umgebung zu rasch und zu stark angepaßt haben. IV. Soll man nun gegen die im vorstehenden kurz dargestellte und begründete, noch immer im Wachsen begriffene Bewegung ankämpfen, und durch welche Mittel könnte das mit einiger Aussicht auf Erfolg geschehen? Wenn man wie E. v. Hartmann, Herbert Eulenberg und andere eine Lösung der Judenfrage durch die Mischehe erhofft, so kann man die letztere nur begrüßen und womöglich noch fördern. Es gibt auch jüdische Stimmen, die sich in diesem Sinne vernehmen lassen. In der Tat, es wäre eine sehr einfache Lösung aller jüdischen 27

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