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Der Morgen · 1929-04-01 · Heft 1 (April 1929) · p. 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (April 1929)
Article
Die jüdisch-christliche Mischehe
Date
1929-04-01
Page
28 (sequence 11)
Language
German
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Georg Salzberger Fragen, Judenschaft und Judentum aufzulösen. Will man sie aber erhalten, in ihrer Eigenart und Besonderheit erhalten, so muß man in der Mischehe eine der schwersten Gefahren für ihre Erhaltung sehen. Zwar könnte es scheinen, als würde der jüdische Stamm durch Zuführung neuen Blutes (das nichts mit Rasse zu tun hat) vor der entgegengesetzten Gefahr bewahrt, die von der Inzucht droht. Aber die weit größere Gefahr ist doch eben die Vermischung mit den Angehörigen anderer Religionen und die Preisgabe der eigenen Religion, um derentwillen wir bis heute gelebt und gelitten haben und die allein unserem Dasein bis in die fernsten Zeiten Berechtigung, Inhalt und Sinn geben kann. Wer das Judentum reinhalten will, muß also auch die Judenschaft unvermischt erhalten. Schon die Übertritte zum Judentum aus anderen als rein religiösen Beweggründen (und wie selten sind sie rein religiös!) sind nicht ohne Bedenken: die Erziehung der Kinder in der jüdischen Religion ist zum mindesten erschwert durch den Umstand, daß nicht beide Eltern selber in dieser Religion aufgewachsen und erzogen sind. Wo nun aber gar ein Jude eine Christin, oder ein Christ eine Jüdin heiratet, ist die Schädigung der jüdischen Religion schwer vermeidbar. Häufig tritt der jüdische Teil noch nach der Eheschließung zum Christentum über, oder die Kinder aus der Ehe werden getauft, bezw. lassen sich später taufen, oder werden im besten Falle (aber auch der ist kein guter) konfessionslos erzogen. Nehmen wir noch hinzu, daß auch abgesehen von der Mischehe durch Taufe, Austritt aus dem Judentum, Ehelosigkeit und Geburtenrückgang uns weitere enorme Verluste zugefügt werden, so kann man verstehen, daß ernstlich von dem Untergang der Juden Westeuropas wie insbesondere der deutschen Juden gesprochen werden konnte. Was also ist gegen die Mischehe zu tun? Sollen die Zeiten wieder kommen, wo die religiöse Gemeinschaft jeden Schädling in ihrer Mitte mit dem Bann oder Ausstoßung bedrohte?, aber die Drohung wäre heute völlig wirkungslos, ja sie wäre unmoralisch. Soll der Staat die Mischehe wieder verbieten?, aber das hieße den ungeheuren Fortschritt, den die Trennung von Kirche and Staat bedeutet, wieder aufheben. Zudem würde auch dieses Mittel, nach dem Beispiel Österreichs und zumal Wiens zu schließen, nur den Austritt aus dem Judentum oder die Taufe fördern. Niemand darf heute wagen, ein Gewaltmittel gegen eine Sache der Gewissensfreiheit zu empfehlen. Dagegen stehen eine Anzahl friedlicherer Mittel zur Verfügung. Man sollte die Schließung von Ehen zwischen Juden zu fördern suchen, in der Weise, wie es die kürzlich auf Anregung von Hanauer gegründete gemeinnützige Eheanbahnungsstelle 28

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