Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1 (April 1929)
- Article
- Die jüdisch-christliche Mischehe
- Date
- 1929-04-01
- Page
- 25 (sequence 8)
- Language
- German
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Die jüdisch-christliche Mischehe moralischen Druck nachgebend, den das betreffende Mädchen auf ihn ausübt. Wenn diese Ehen spät geschlossen werden, so mag das zum Teil auch daher kommen, daß der jüdische Mann wartet, bis seine Eltern, die diese Heirat nicht wünschen und zu verhindern suchen, nicht mehr am Leben sind. Es ist ferner eine Tatsache, daß die jüdischen Männer, wo sie ihre Lebensgefährtin unter christlichen Mädchen wählen, in der überwältigenden Mehrzahl unter ihren Stand gehen. Sie würden sich weigern, ein jüdisches Mädchen aus gleicher Gesellschaftsschicht zu heiraten aus der Scheu vor den größeren Ansprüchen, die eine jüdische Frau an die Lebenshaltung stellt, bezw. aus dem Glauben an die Bescheidenheit und Arbeitsamkeit der minder verwöhnten christlichen Frauen. Wo umgekehrt jüdische Mädchen christliche Männer heiraten, sind es entweder Töchter aus reichen Häusern, deren Ehrgeiz dahin geht, in die vornehme christliche Gesellschaft, womöglich in die Kreise des Geburtsadels zu gelangen — ein Fall, der heute selten geworden ist, da die jüdischen Vermögen stark zurückgegangen sind und der Adel an Bedeutung verloren hat; oder sie kommen aus dem Mittelstande und dem Proletariat und verbinden sich mit einem christlichen Manne der gleichen Schicht. R. E. May führt als typisches Beispiel für Hamburg die Ehe einer jüdischen Köchin mit einem christlichen Schutzmann an. Das jüdische .Mädchen findet als Angestellte aus Mangel an Mitgift keinen jüdischen Mann, dagegen üben ihre Ersparnisse auf den kleinen christlichen Beamten noch eine gewisse Anziehungskraft aus. Damit sind wir bereits von dem Psychologischen zu dem Soziologischen übergegangen. Hier ist nun vor allem daran zu denken, daß die Juden in allen Ländern der Erde eine kleine, zumeist eine verschwindende Minderheit sind; in Deutschland bilden sie kaum io/0 der Bevölkerung. Es ist aber eine allgemeine Erfahrung, daß, wenn nicht mit Gewalt unübersteigliche Schranken aufgerichtet werden, die Minderheit dazu neigt, sich mit der Mehrheit zu vermischen. Wo Protestanten in der Minderheit sind, ist die Zahl ihrer Mischehen mit Katholiken hoch und umgekehrt. Dazu kommt, da die Juden überall zerstreut wohnen, daß die Versuchung zur Mischehe bei ihnen besonders groß ist. Dennoch wäre es irrig, hieraus zu schließen, daß die jüdisch-christlichen Miscihehen auf dem Lande oder an kleineren Plätzen häufiger seien als in der Großstadt. Wir haben bereits erwähnt, daß die Großstädte in bezug auf die Mischehe überall an der Spitze stehen. Das mag zunächst befremdlich erscheinen, da die Juden in fast allen Großstädten einen hohen Prozentsatz der Bevölkerung bilden. Die Erklärung ist wohl darin zu suchen, daß das Großstadtleben wie auf die Moral 25