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Der Morgen · 1929-04-01 · Heft 1 (April 1929) · p. 24

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (April 1929)
Article
Die jüdisch-christliche Mischehe
Date
1929-04-01
Page
24 (sequence 7)
Language
German
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Georg Salzberger einem Vortrag über die Mischehe im Judentum diese zwar nicht ausdrücklich, neigt aber doch zu der Meinung, daß, wenn die Bänder nur dem Judentum erhalten blieben, die moderne jüdische Theologie recht hätte, in dieser Frage weitgehende Toleranz zu üben. Er irrt freilich, wenn er solche Toleranz der modernen jüdischen Theologie schlechthin zuschreibt. Nur als ein Kuriosum ist es anzusehen, daß im Jahre i8g5 in Arad in Ungarn, bekannt durch den Vorkämpfer für die Reform des Judentums Aron Chorin, auf Anregung des dortigen Rabbiners der Reschluß gefaßt wurde, unter Abänderung der üblichen Liturgie und mit besonderer Hervorhebung des Priestersegens, Mischehen in der Synagoge öffentlich und feierlich einzusegnen. Die Rabbiner Deutschlands, mit Ausnahme derjenigen der Rerliner Reformgemeinde, verweigern bei Mischehen die Vornahme der religiösen Trauung. III. Aber die Ablehnung von seiten der jüdischen Religion hat nicht verhindern können, daß die Zahl der Mischehen ständig gewachsen ist. Ehe wir darum den Mitteln nachsinnen, die im Kampfe gegen die Mischehe wirksam sein könnten, müssen wir den psychologischen und soziologischen Gründen der Erscheinung nachspüren. Hier ist uns Hanauer in seiner schon erwähnten Schrift ein besonders aufschlußreicher Wegweiser. Man möchte meinen, daß bei Eingehen einer Mischehe der stärkste Antrieb die Liebe sei, gehöre doch eine nicht geringe Selbsmberwindung dazu, das Hindernis der verschiedenen Religion beiseite zu schieben, um mit dem anderen Menschen sein Leben zu teilen. In Romanen, wie von jüdischer Seite etwa die von K. E. Franzos oder von christlicher Seite selbst der vortreffliche von Aage Madelung „Die Gezeichneten" oder auch in Dramen, wie in Nathansens „Hinter Mauern", spielt diese Psychologie wohl eine große Rolle. Im wirklichen Leben dagegen ist die Liebesheirat zwischen Juden und Christen nicht die Regel; es wäre anders die Tatsache nicht zu verstehen, daß die Mischehen zumeist Spätehen sind, also in einem Alter geschlossen werden, in dem die Liebesleidenschaft nicht allein mehr ausschlaggebend ist. In der Mehrzahl der Fälle ist es der jüdische Mann, der die Heirat mit einem christlichen Mädchen eingeht. Ein Mädchen, mit dem er häufig jahrelang zuvor ein sogenanntes Verhältnis hatte und das er dann zu seiner Frau machte, sei es um der Kinder willen, die diesem Verhältnis entsprossen, sei es aus Rücksicht auf die Eltern der Frau, oder falls sie Jüdin wird, auf die seinigen, sei es aus Dankbarkeit für treue Kameradschaft, oder auch dem 24

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