Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 5 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1 (April 1929)
- Article
- Die jüdisch-christliche Mischehe
- Date
- 1929-04-01
- Page
- 20 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2895450-2895483-2895485-2899574--03388-2899639- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Georg Salzberger I. Was die Rassenfrage betrifft, so ist die Wissenschaft auf diesem Gebiete noch viel zu jung und zu unsicher, als daß sich über den Begriff Rasse, geschweige Rassenmischung irgendwie Zuverlässiges sagen ließe; so viel dürfte schon heute feststehen, daß von einer rein jüdischen Rasse keine Rede sein kann. Diejenigen, die den Juden als Angehörigen der „semitischen" Rasse, den Christen im allgemeinen als den der „arischen" Rasse betrachten und also in der ehelichen Verbindung zwischen beiden eine Rassenmischung sehen, beurteilen den Wert dieser Mischung sehr verschieden. Während von Bismarck das Wort überliefert wird, ein arischer Hengst und eine semitische Stute gäben eine gute Paarung, suchen neuerdings Forscher nachzuweisen, daß aus der semitisch-arischen Mischung die häufige Unfruchtbarkeit oder Unterfruchtbarkeit, die hohe Zahl der Totgeburten und mannigfache Degenerationserscheinungen in körperlicher und moralischer Hinsicht, die man an Kindern aus Mischehen beobachtet haben will, zu erklären seien.1) In Wirklichkeit haben, wie W. Hanauer in seinem höchst instruktiven Aufsatz über die jüdischen Mischehen2) aufzeigt, die angeführten Beobachtungen, soweit sie überhaupt wissenschaftlich haltbar sind, mit der Rasse nichts zu tun. Sie sind vielmehr auf soziologische Gründe zurückzuführen, wie das im Durchschnitt höhere Alter, in dem Juden und Christen eine Ehe miteinander eingehen, und die höhere gesellschaftliche Schicht, aus der sie in der Regel kommen. Wir lassen am besten die Rassenfrage hier ganz außer Betracht, da sie für die jüdische Gemeinschaft und ihre Religion zu keiner Zeit eine Rolle gespielt hat Wenn das Judentum schon in alten Zeiten die Mischehe verboten hat, so kann es nicht aus rassemäßigen Gründen geschehen sein; gilt doch nach dem jüdischen Religionsgesetz bis zum heutigen Tage jeder, mag er kommen von welcher Nation, Rasse, und Religion er will, sobald er nur förmlich den jüdischen Glauben angenommen und das jüdische Gesetz auf sich genommen hat, so vollkommen als Jude, daß es als schwere Kränkung angesehen wird, ihm seine nichtjüdische Herkunft vorzuhalten. Allenfalls könnte von einem nationalen Motiv in biblischen Zeiten gesprochen werden; so, wenn Abraham den Knecht Elieser schwören läßt, für seinen Sohn Isaak unter keinen Umständen ein Weib kanaanitischer Herkunft zu freien; x) Als Beispiele hoher Begabung von Kindern aus christl .-jüdischer Mischehe seien u. a. nur angeführt: Sven Heddn, Marcel Proust, Paul Heyse, von Bayer, Heinrich Hertz, Max Duncker. Max Scheler, Cardinal Newman, Hans von Marees. D.H. 2) Die jüdisch-christlichen Mischehen im „Allgemeinen Statistischen Archiv", 17. Band, Heft 4. 20