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Der Morgen · 1929-04-01 · Heft 1 (April 1929) · p. 19

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (April 1929)
Article
Die jüdisch-christliche Mischehe
Date
1929-04-01
Page
19 (sequence 2)
Language
German
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Georg Salzberger: Die jüdisch-christliche Mischehe noch heute das Gesetz vor, daß die Eheschließenden entweder beide der gleichen Religion angehören müssen, oder ein Teil sich konfessionslos erklärt In Spanien, Portugal und Ländern der griechisch-katholischen Kirche ist noch heute das Strafgesetz gegen die Mischehe in Kraft; in mohammedanischen Ländern ist sie durch das Religionsgesetz verboten. Von einem Problem der Mischehe überhaupt, und der jüdisch-christlichen Mischehe insbesondere, kann danach erst seit neuester Zeit die Rede sein. Die Statistik lehrt, daß die Häufigkeit der jüdischen Mischehe die der evangelisch-katholischen übertrifft. Im Jahre 1925 kamen im Deutschen Reich auf 100 reinprotestantische Ehen 22,5 Mischehen, bei welchen der eine Teil der evangelischen Religion angehörte. Bei den Katholiken war die entsprechende Ziffer 45,1, bei den Juden 48,6, wogegen im Durchschnitt der Jahre 1921—1925 auf 100 reinjüdische Ehen 4i>9 Mischehen entfielen. An der Spitze der deutschen Länder steht Preußen mit 41,7% und unter den Großstädten Hamburg mit 74,9%; es folgen Berlin mit 54,3 0/0, Breslau mit 31,3 0/0 und Frankfurt mit 3os6o/0. Von i885 stieg in Preußen die Zahl der Mischehen fast ununterbrochen um etwa das 4V2 fache, in den Städten von 1876—1924 in Berlin um 800/0, in Frankfurt am Main um i5oo/o, in Hamburg von 1901—1924 um etwa 25o<>/o, in Breslau um 25o<>/o. Die jüdische Bevölkerung in Deutschland wuchs in den Jahren 1900—1910 um 5o/o, die Zahl der Mischehen um 5oo/0. Auch bei den christlichen Konfessionen ist ein ziffernmäßiges Ansteigen der Mischehen zu beobachten, aber bei den Juden geschah es in weit rascherem Tempo; sie wuchsen bei der Gesamtbevölkerung um 100 0/0, bei den Juden dagegen um 2 00 0/0. Allerdings hat Czellitzer in einer sehr beachtlichen Studie über die Mischehen in Berlin (Zeitschrift für jüd. Familienforschung, Jahrg. IV, Nr. 4) nachgewiesen, daß die bisherige Methode der Berechnung der Mischehenziffern fehlerhaft, daß zum mindesten in der Reichshauptstadt die Neigung zur Mischehe bei den Katholiken noch stärker ist als bei den Juden. Aber auch er stellt bei Protestanten, Katholiken und Juden eine steigende Tendenz zur Mischehe fest Von den außerdeutschen Ländern weisen Dänemark und Schweden die relativ höchsten, Rumänien, Galizien und die Bukowina die geringsten Ziffern auf. Auch hier ist fast ausnahmslos eine steigende Tendenz zu beobachten, auch hier stehen die Großstädte weit voran. Die wenigen Zahlen mögen die Wichtigkeit und Dringlichkeit des Problems der jüdischen Mischehe veranschaulichen. Dies Problem läßt sich von verschiedenen Seiten beleuchten: von der Seite der Rassenfrage, von der religionsgesetzlichen und von der soziologischen Seite. 19 2*

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