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Der Morgen · 1929-04-01 · Heft 1 (April 1929) · p. 11

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (April 1929)
Article
Die Idee des Völkerfriedens im Altertum
Date
1929-04-01
Page
11 (sequence 9)
Language
German
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Die Idee des Völkerfrieden3 im Altertum der Völker, die ja auch, noch vorwiegend als Individuen aufgefaßt werden. Daher die unmittelbare Wucht, mit der hier, anders als in Griechenland, die Friedensforderung wirkt; nur als Strafe sündiger Völker, seien es Emoriter oder auch Israeliten, ist der Krieg von Gott her zu begreifen, wie die Strafe im Rechtswesen; aber ein Krieg „zur Gebietserweiterung" (Arnos i, i3) verstößt gegen das Gebot des Gottes der Gerechtigkeit. Daß aber dem Rufe der Künder Gottes ein tiefes Bedürfnis der Volksseele entgegenkam, zeigt eine herrliche Schöpfung des sprachbildenden Volksgeistes: das Wort s c h a 1 o m für Friede. Während das griechische eirene rein negativ das Fehlen des Kriegszustandes bezeichnet und der Römer bei pax wesentlich an den juristisch geordneten, kultisch gesicherten Rechtszustand denkt, bezeichnet die Wurzel des hebräischen Wortes die Vollkommenheit des Leibes und der Seele, eine Vollkommenheit, die in Wendungen wie leb schalem (vollkommenes Herz) wesentlich innerlich gefaßt wird und dem Worte schalom einen Klang gibt, der in keine seiner indogermanischen Übersetzungen voll eingeht Eirene und pax, Waffenruhe und Rechtsvertrag, kann es zwischen Menschen jeder Art geben. Aber „en schalom lirscha'im", der schlechte Mensch kennt wahren Frieden nicht Und jenen sch'lom emet, jene wahre Befriedigung (Jer. 14, i3) — ein für den Griechen unausdenkbarer und daher den griechischen Bibelübersetzern unübertragbarer Begriff — verheißen die Propheten der Menschheit Die beiden Wurzeln des biblischen Friedensgedankens — der Rechtsgedanke und der Glaube an eine Befriedung, die mehr als Friede ist — berühren einander in ihrem Ursprung. Denn an den Sieg des göttlichen Rechtes ist ja das Heil der Völker geknüpft Ähnlich sah auch der griechische Weise in der Einordnung in das Weltgesetz die Bürgschaft für menschliches Wohlergehen. Der Philosoph wie der Prophet glauben also an weltordnende Kräfte; jener an die Vernunft als Ordnerin zunächst des natürlichen, dann auch des menschlichen Geschehens, dieser an den gerechten Willen Gottes, dessen Durchsetzung er zugleich fordert und voraussieht Und dieser wie jener sieht im Gehorsam gegen die menschenüberlegcnen ordnenden Kräfte zugleich das Heil des Menschen; während aber der Hellene eine Seligkeit höheren Sinnes, eine Eudaimonie, die sich von bloßem Glücksgefühl wesenhaft unterscheidet, fast nur beim Einzelmenschen kennt und sie jedenfalls zur Friedenserwartung nicht in Beziehung setzt, ersehnt der Jude die Übertragung des Gefühls tief \\

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