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Der Morgen · 1929-04-01 · Heft 1 (April 1929) · p. 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (April 1929)
Article
Die Idee des Völkerfriedens im Altertum
Date
1929-04-01
Page
10 (sequence 8)
Language
German
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I. Hainemann dies jüdische Friedensideal zu dem uns bekannten hellenischen verhält und wie es bei den Erben der Propheten und Psalmisten, im nachbiblischen Judentum, nachgewirkt hat Die religiösen Voraussetzungen des jüdischen Denkens waren offensichtlich dem Friedensgedanken günstiger als die hellenischen. Hier kann nicht, wie bei Empedokles und Heraklit, eine ordnungsfemdliche Gewalt völlig gleichberechtigt neben die ordnende treten; und da der eine Gott nicht nur Ordner der Welt, sondern auch Gesetzgeber aller Menschen ist, so kann hier nicht vergessen werden, daß auch Heiden, wie Elieser, der Knecht Abrahams, oder Hiobs Freundeskreis oder die bußfertigen Männer von Ninive im Buche Jona hochwertige Menschen sind; der Gegensatz zwischen Juden und Nichtjuden wird also von vornherein überschattet durch den zwischen guten und schlechten Menschen; das national-kulturelle Abstandsgefühl, so lebhaft es auch hier oft empfunden wird, kann dem Pazifismus also nicht gefährlich werden, wie bei Piaton. Und die Entwertung der kriegerischen Tugend oder doch ihrer volkstümlichen Wertschätzung vollzieht sich hier nicht, wie bei Panaitios, in besonderer revolutionärer Abkehr vom Militarismus, sondern in deutlichem Zusammenhang mit dem Gesamtprozeß der Vergeistigung und VersitÜichung des Lebens: ,,nicht rühme sich der Kluge seiner Klugheit, der Held seiner Stärke, der Reiche seines Besitzes". — Andererseits kann in Israel freilich weder die rationale noch die rationelle Begründung des Friedensgedankens aufkommen, wenigstens nicht im hellenischen Sinne als Aufspüren ordnender Naturkräfte vermittels der Wissenschaft und als rein utilitarische Erwägung. Dafür ergeben sich zwei neue Stützen — aus dem prophetischen Erlebnis und volkstümlichen Empfinden. Der Sinn des biblischen Friedensgedankens enthüllt sich uns am ehesten, wenn wir fragen, was an die Stelle der jetzigen kriegerischen Auseinandersetzungen treten soll. Sie werden nicht von selbst aufhören, wie nach den weltfremden Kynikern, noch ersetzt werden durch die pax Romana, also die human zu handhabende Senatsherrschaft, sondern nach Jesaja durch einen Richterspruch, den ein „von Gottesfurcht durchhauchter" Richter zwischen freien Völkern fällt An Stelle der Gewalt, die zur Zeit die Beziehungen der Völker regelt, soll demnach das Recht treten. Dieselbe Leidenschaft des Rechtswillens, die sich gegen den Mord an Uria und Nabot auf bäumt, wendet sich also gegen die Vergewaltigung schwacher Völker im Kriege — oder vielmehr: dieselbe Stimme Gottes, dessen überwältigenden Ruf der Prophet vernimmt, fordert die Durchsetzung des Rechtes, wie in den Beziehungen der einzelnen, so in denen 10

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