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Der Morgen · 1929-04-01 · Heft 1 (April 1929) · p. 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (April 1929)
Article
Die Idee des Völkerfriedens im Altertum
Date
1929-04-01
Page
8 (sequence 6)
Language
German
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I. Heinemann der zuerst den Logos den Steuermann der Welt nannte, stellte ihm, wie w wissen, den Krieg, den Polemos, als gleich bedeutendes Weltprinzip gegenüber. Bei Panaitios hat der Logos über den Polemos gesiegt. So wenig die Welt dem Weltbrande erliegen soll, so wenig soll im Völkerleben die Ordnung wechseln mit dem Streit. Mit diesem Weltbild erreicht die Entwicklung der griechischen Friedensidee ihren Höhepunkt. Die Versuche, die Ratio religiös zu fassen und dem durchaus tatenfreudigen Kulturpazifismus der römischen Blütezeit in Weltansicht und Dichterwort Beziehung zu geben zu dem Ruhe- und Friedensbedürfnis einer von den Bürgerkriegen ermatteten Welt bedeuten keine Fortschritte, die unsere Aufmerksamkeit verdienten. Denn die logische Durchleuchtung des Naturgeschehens und der Menschenwelt ist die geschichtHche Aufgabe des hellenischen Geistes: sie hat Panaitios auf dem Gebiete des Völkerrechtsgedankens abschließend gelöst. Aus ganz anderen Kräften und Motiven ergab sich der Aufstieg vom militaristischen zum pazifistischen Ideal in Israel. Wohl mag es scheinen, als seien von vornherein die Lebensziele und Lebensinhalte unserer Väter erheblich friedfertiger gewesen als die der Hellenen. Die ältesten Erzählungen der Bibel haben nicht, wie die Ilias, kriegerische Taten zum Hauptinhalt; sie rühmen nie die Tapferkeit, selten erwähnen sie die List, aber gern verweilen sie bei Proben der Weisheit, der Großzügigkeit, der Gastlichkeit und der Widerstandskraft gegen sittliche Versuchung. Die Geschichtsbücher berichten selbstverständlich auch über kriegerische Ereignisse mit der Ausführlichkeit, die ihnen für das Schicksal des Volkes zukommt; aber die Art, wie sie berichten, zeigt fast nie das liebevolle — man möchte sagen: fachmännische Interesse am Militärischen, wie Homer und in anderem Sinne Thukydides; selbst die Simsonerzählungen atmen mehr das Staunen über die dämonische Wunderkraft des Gottgeweihten als die Bewunderung vorbildlicher Heldenleistung. Und sieht man, in welchem Sinne Gott als der Herr des Krieges gepriesen wird, so wird diese Stellung zum Kriegerischen verständlich: denn der Krieg erweist sich durch seinen Ausgang weit weniger als Prüfstein der männlichen Tüchtigkeit denn als Gottesurteil über den religiösen Wert der Streitenden, und zwar um so deutlicher, je klarer der eigentümlich jüdische Charakter der Darstellung hervortritt 8

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