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Der Morgen · 1929-04-01 · Heft 1 (April 1929) · p. 7

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Journal
Der Morgen
Volume
5 (1929-1930)
Issue
Heft 1 (April 1929)
Article
Die Idee des Völkerfriedens im Altertum
Date
1929-04-01
Page
7 (sequence 5)
Language
German
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Die Idee des Völkerfriedens im Altertum stoischen Schule, ein Freund des jüngeren Scipio; seine Wirkung war derart, daß man in den leider seltenen Fällen, in denen römische Statthalter humane Provinzverwaltung übten, einen Hauch seines Geistes zu spüren geglaubt hat; aber der Auszug seiner Ethik, den Cicero in seiner Pflichtenlehre vorlegte, hat auch auf die Renaissancezeit und noch über sie hinaus machtig nachgewirkt. Wie die gesamte Natur ein Organismus ist, etwa einem Baume vergleichbar, so innerhalb dieses Organismus das Sondergebilde der Menschheit. Wie Wurzel, Rinde, Kern der Erhaltung des Baumes dienen, aber zur Erhaltung ihres eigenen Daseins abhängig sind von der Erhaltung des Ganzen, so dient jedes Volk, jeder Stand der Menschheit, um wiederum durch das Leben des Ganzen umfangen und gefördert zu werden. Denn die Menschheit ist nicht nur eine Ideengemeinschaft, sondern auch eine Interessengemeinschaft auf Gedeih und Verderb: kein Wesen kann dem Menschen so nützen wie der Mensch; nie hat uns eine Naturkatastrophe so geschadet wie der Mensch in seinem Wahn. Daraus folgt keine Verwischung naturgegebener Unterschiede; der Grieche bleibe Grieche, der Römer Römer: aber jeder sei vor allem Mensch und übe die „Philanthropia", die humanitas, wie die Römer übersetzten, um dem Willen der Natur zu folgen, aber auch seinem wahren Nutzen zu entsprechen. — Daraus folgt die grundsatzliche Verwerfung jedes Angriffskrieges, jedes Wütens eines Gliedes der Menschheit gegen das andere, wenn auch noch nicht die Dienstverweigerung in jedem Einzelfall. Panaitios hat es in der Tat nicht mißbilligt, wenn seine Freunde den Widerstand gegen die römische Herrschaft kriegerisch brachen. Aber wenn die griechische Ethik vier Grundtugenden anerkannte, Einsicht, Gerechtigkeit, Maßhaltung, Tapferkeit, so streicht Panaitios die Tapf e.rkeit und setzt an ihre Stelle die Seelengröße. Und als Freund Scipio vor Numantia zum Staunen seiner Offiziere die schönste Kriegsgefangene, die man ihm ins Zelt geführt, unberührt dem Bräutigam zurückgab, da zeigte er, daß er den Meister verstanden hatte. So hat Panaitios den hellenischen Friedensgedanken zu voller Klarheit entwickelt, indem er ihn rational wie rationell begründete: rational durch die Beziehung der menschlichen Ordnung auf die natürliche, rationell durch den Nachweis, daß unsere Erhaltung und Förderung, damit aber die freudige Bejahung des Lebens und seiner Freude, an die Wahrung dieser Ordnung geknüpft ist Der Logos, die Vernunftkraft, in der das Rationale und das Rationelle nach Panaitios' Einsicht zusammentrifft, wird zum Beherrscher der Menschheit in ihren staatlichen Beziehungen erst durch ihn. Der große Heraklit, 7

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