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Der Morgen · 1929-02-01 · Heft 6 (Februar 1929) · p. 622

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
4 (1928-1929)
Issue
Heft 6 (Februar 1929)
Article
Zwei hygienisch-diätetische Abhandlungen des Maimonides
Date
1929-02-01
Page
622 (sequence 3)
Language
German
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Max Meyerhof lenos. Indessen übernimmt er die Abneigung dieses großen griechischen Arztes gegen Früchte keineswegs, sondern rät nur, sie in mäßigen Mengen zu genießen. Kap. 2: Empfehlung von Hausmitteln im Falle der Abwesenheit des Arztes. Kap. 3 enthält „Die Anleitung Unsres Herrn im Besonderen hinsichtlich der Anfälle, über welche er klagt". Dies Kapitel ist das interessanteste. Nach Empfehlung einer Anzahl von Syrupen und Latwergen hält Maimonides dem Herrscher eine stark philosophisch gefärbte Vorlesung über Seelenhygiene: Menschen ohne philosophische Erziehung wissen nicht, daß die Güter und die Übel dieser Welt imaginär sind, daß oft das ein Unglück ist, was man für ein Glück hält und umgekehrt. „Wie oft wird Jemanden ein großes "Vermögen oder eine wichtige Machtstellung zuteil, und doch ist gerade das der Grund zur Zerrüttung seines Körpers, zur ethischen Verschlechterung seiner Seele, zum Abrücken von Gott dem Erhabenen und zur Entfremdung zwischen ihm und seinem Schöpfer. Ein wie ewiges Unglück ist das dann für ihn! Und wie oft verliert Jemand sein Vermögen oder büßt seine Machtstellung ein, und doch wird gerade das der Grund zur Gesundung seines Körpers und zur Veredelung seiner Seele durch ethische Vorzüge, zur Verlängerung seines Lebens und zur Annäherung an seinen Schöpfer durch Hingabe an seinen Dienst. Ein wie ewiges Glück ist das dann für ihn!" Maimonides schließt diese Lektion an seinen jungen Fürsten mit den Worten: „Der (alleruntertänigste) Diener — möge sein Leben lang oder kurz sein — sagt das nur auf Grund der Ansicht der Ärzte, Philosophen und einiger Gesetzeslehrer, welche vor dem Islam gelehrt haben." Und dann ermahnt er ihn nochmals zum Stoizismus, da das Grübeln über vergangene und Sorgen um zukünftige Dinge gleich zwecklos seien. Im 4- und letzten Kapitel faßt Maimonides nochmals seine ganze hygienisch-diätetische Lehre in 17 Abschnitten zusammen, die u. a. über Klima, Beruf, Naturanlage, Bäder, Geschlechtsgenuß, Gebrauch des Weins, Erkältung, verdorbene Nahrungsmittel, Gewohnheit und die Wirkung bestimmter Fleischsorten auf das Nervensystem handeln. Unter ihnen finden sich viele logische und kritische Gedanken, die wir hier leider nicht wiedergeben können. Die zweite und letzt herausgegebene Abhandlung für den Sultan al-Afdal nennt Kroner den „medizinischen Schwan engesang des Maimonides". Es war vermutlich im Jahre 1200 n. Chr., als der Herrscher dem offenbar krank zu Hause liegenden Maimonides einen vertraulichen Bericht über seine immer noch eintretenden Schwermutsanfälle und die Ratschläge der inzwischen konsultierten Ärzte zukommen ließ. Der greise Meister verfaßte daraufhin die Abhandlung „über die Erklärung der Zufälle", in der er selbst bedauert, sie nicht persönlich vortragen und sich dem Dienste des Herrschers nicht in eigner Person widmen zu können. Kroner hat sie auf Grund von zwei arabischen Handschriften, unter Zuziehung eines hebräischen Fragmentes, kritisch herausgegeben, übersetzt und in 32 Kapitel geteilt. In den ersten 18 Kapiteln beantwortet Maimonides Zug um Zug die Mitteilungen des Fürsten über die Ratschläge 622

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