Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 4 (1928-1929)
- Issue
- Heft 6 (Februar 1929)
- Article
- Zwei hygienisch-diätetische Abhandlungen des Maimonides
- Date
- 1929-02-01
- Page
- 621 (sequence 2)
- Language
- German
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Max MeJerhof: Zwei hygienisch-diätetische Abhandlungen des Maimonides monides zu, und schenkte uns 1906 und 1916 zwei Ausgaben seiner Schriften über die Hygiene des Geschlechtsverkehrs, nach Handschriften in München und Granada; 1911 die Abhandlung des Maimonides über Hämorrhoiden; 1921 und 1924 zwei eigne Darstellungen „Der Mediziner Maimonides im Kampfe mit dem Theologen" und über arabische und hebräische ärztliche Fachausdrücke. Alle diese Schriften sind teils im eignen "Verlag Dr. Kroners, teils in der medizinhistorischen Zeitschrift „Janus" in Leiden (Holland) erschienen. Heute möchte ich nun auf die beiden letzten Textausgaben Dr. Kroners hinweisen, die außer der medizinischen auch eine gewisse historische Bedeutung besitzen. Es sind: Die „Regelung der Gesundheit", längst bekannt als Regimen sanitalis, nach Handschriften in Oxford und Paris, und „Über die Erklärung der Zufälle" (De causis accidentium apparentium), nach Handschriften in Oxford und Newyork. Beide sind im „Janus" (1925 und 1928) erschienen, enthalten den arabischen Urtext, hebräische und deutsche Übersetzung und kritische Erläuterung; eine mühevolle und delikate Arbeit. Es ist nun sicher, daß Maimonides diese beiden Abhandlungen für den ältesten Sohn des großen Saladin, al-Malik al-Afdal Nürad-Din 'Ali, geschrieben hat, dessen Leibarzt er während seiner kurzen Regierungszeit (1198—1200 n. Chr.) gewesen ist. Daß dies Amt keine Sinekure war, wissen wir aus einem Brief des Maimonides an Samuel ihn Tibbon, vom 10. Sept. 1199» in dem Bamham u. a. sagt: „Mein Leben ist in folgender Weise eingerichtet: Der Sultan residiert in Kahira (Kairo), und ich wohne in Festat. Beide Städte sind zwei Techum Sabbath (2,5 Kilometer) voneinander entfernt. Jeden Morgen muß ich den Sultan besuchen, und wenn er, eines seiner Kinder oder eine seiner Frauen krank ist, dann muß ich den ganzen Tag dort bleiben. Wenn aber auch nichts Besonderes vorfällt, so komme ich erst nachmittags nach Hause zurück." (Zit. nach J. Münz, Moses ben Maimon S. 270.) Dort harrte dann des geplagten Arztes eine Riesenmenge von Kranken aus allen Ständen, und sein Ruhetag, der Sabbat, war mit der Lehre, Vorträgen und Gemeindeangelegenheiten ausgefüllt. Von dieser Periode der Überanstrengung an datieren die immer häufigeren Krankheiten des Meisters, denen er fünf Jahre später, am 28. Dezember 1204, erliegen sollte. Der Sultan al-Afdal, damals erst dreißig Jahre alt, beauftragte nun gleich nach seinem Regierungsantritt den Maimonides, ihm jene „Gesundheitsf egelung" zu schreiben, und zwar im Hinblick auf seine Anfälle, welche Maimonides selbst in der genannten Schrift als „zeitweilige Verdüsterung, schlimme Gedanken, Trübsinn, Todesahnungen und schlechte Verdauung" bezeichnet. Überblickt man das kurze Leben dieses Fürsten, welches nur eine einzige Kette von Kämpfen mit den Kreuzfahrern, seinen eignen Verwandten und feindlichen Nachbarfürsten, von Hofintrigen und Ausschweifungen ist, so wird man sich nicht wundern, daß das Nervensystem des Sultans nicht standgehalten hat. Maimonides hat ihm nun vier Kapitel geschrieben: 1. Gesundheitsanleitung im allgemeinen. Dies ist vorwiegend eine allgemeine Lebens- und Diätvorschrift, zumeist nach dem griechischen Arzt Ga- 621 42*